Publikationen

Wer oder was definiert dich?

M. J. Cusick, Surfing for God

Als AHF-Akademie werden wir bald Buchzusammenfassungen (Book-Summarys) zu unterschiedlichen Themen veröffentlichen. Ziel ist es, aus dem Spektrum der Theologie, Pädagogik und Seelsorge (Sozialen Arbeit) englischsprachige Titel in kompakt ins Deutsche zu übertragen. Auf die Idee brachten uns die Business Bestseller, aber blinkist und getabstact sind ja die neuen Kometen am Himmel der Buchzusammenfassungen. Wir glauben trotzdem, dass wir als AHF-Akademie einen Mehrwert bieten werden, weil wir eine Nische besetzen.

Hier eine Kostprobe eines Kapitels aus M. J. Cusick, Surfing for God. Kapitel 8: Your Good Heart (Dein gutes Herz).

Die Frage der Freiheit dann ist nicht, ob wir das tun können, was wir wollen, sondern ob wir das tun, was wir im tiefsten Sinn verlangen.

(Gerald May, The Awakened Heart)

In einem Gespräch mit Larry Crabb offenbarte ich ihm erneut, dass ich vor Lust vergehe und Pornos sehen möchte. Daraufhin forderte Crabb mich auf, doch hinzugehen und dieses zu tun. Ich vermutete schon, dass seine Aussage einfach die Technik der paradoxen Intervention war, doch nach einer Weile fragte ich ihn, warum er mich aufforderte, mir Pornos anzuschauen. Er sagte: „Wenn du das wirklich tun willst, dann geh hin und tue es.“ Da kam es aus mir heraus: „Aber ich will es doch eigentlich gar nicht tun.“ „Genau das habe ich gemeint“, sagte er: „Es ist nicht wirklich das, was du eigentlich tun willst.“ Ich war sprachlos. Konnte es sein, dass trotz der Begierde in mir es eine tiefere Sehnsucht in mir gab, die Gutes wollte. Da erkannte ich, dass mein Herz nicht über Lust definiert wird. Im Folgenden beschreibe ich, was die Schrift unter einem alten Herzen versteht, bevor wir uns dem „neuen Herzen in Christus“ zuwenden.

Der Grund für das Evangelium – Unsere Herzen sind von Gott weggebogen
[Luther sprach vom verkrümmten Herzen]
In einer Reihe von Begegnungen hat Gott sich um seine Schöpfung bemüht und verschiedene Bünde initiiert, um die Seinen zu retten. Aber die Sünde und Bosheit löste einen Domino-Effekt aus und es folgten weiterhin Unglaube, Götzendienst, Selbstsucht usw. in einer Welt, die weit weg war von Eden. So sandte Gott Propheten und Jeremia beschreibt ein Muster des menschlichen Herzens in Jeremia 17,9. Es folgte schließlich das Urteil, dass es keine Gerechtigkeit gebe (Römer 3,10f; Psalm 14,1-3; 53,1-3; Prediger 7,20). Ohne einer substantiellen Veränderung würde das Muster der Bosheit weiter fortbestehen.

Wir benötigen eine Herztransplantation
Viele Männer wünschen sich, dass ihre Sexsucht wegoperiert werden könnte. Das würde all den Schmerz, Mühe und die Kämpfe lindern und wegnehmen. In der Bergpredigt gebraucht Jesus in Mt 5,28-30 ein ähnliches Bild der „Operation“. Meint Jesus hier eine Selbstverstümmelung? Nein, aber vielleicht fordert Jesus uns heraus, radikal zu sein. Wir werden aufgefordert, alles Menschenmögliche zu tun, um die Sünde zu meiden. Die gesamte Bergpredigt über macht Jesus aber auch klar, dass die Erfüllung des Gesetzes mit dem Herzen beginnt. Genau genommen ist eine blinde Person genauso fähig, ihre Lust auszuleben wie du und ich. Ein physisches Eingreifen löst also unser Problem nicht. Wir benötigen eine Herztransplantation.

Der Rest des Evangeliums – Herzen neigen sich zu Gott
Dallas Willard hat beobachtet, dass das meiste, was heute als Evangelium verkündigt wird, ein verkürztes Evangelium ist. Es ist ein Evangelium, das darauf setzt, die richtigen Dinge zu glauben und Vergebung (von moralischer Schuld) zu erhalten. Das führte – nach Willard – zu einem Christentum, dass sich auf das Leben danach, nicht auf das Leben jetzt konzentriert. Geistliche Reife wird daran gemessen, wie unser Leben nach außen hin wirkt.
Das Evangelium ist aber wirklich eine gute Nachricht und es beschränkt sich nicht nur darauf, wie wir in den Himmel kommen. Wir hören zu wenige Predigten, die uns vermitteln, dass mit der einsetzenden Vergebung und Heilsgewissheit, etwas Entscheidendes in uns wiederhergestellt wurde. Gott hat so an uns gearbeitet, dass unsere Herzen, die sich von Gott fern hielten, sich nun zu Gott in Jesus Christus neigen. Dieselben Propheten, die von der Bosheit des Herzens redeten, verkündigten eine ultimative Wiederherstellung unserer Herzen. Dieser radikale Plan hat Gott alles gekostet (vgl. Jesaja 53,5-6).
Nach Jeremia 31,33 hat Gott eine radikale Operation unserer Herzen versprochen (vgl. Hesekiel 36,25-27). Es würde erfordern, unsere alte Herzen gegen die Identität eines neuen Herzens einzutauschen. Schließlich, durch die Einwohnung des Geistes in uns, werden wir befähigt, seine Gebote zu halten. Wir werden ihm gehorsam sein, nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen.
Es gibt keine relevantere theologische Wahrheit oder eine aufregenderes Versprechen, als diese eine des neuen Bundes, das ich mit Männern in sexuellen Verfehlungen teile. Die Wahrheit ist: Gott hat sich unserer Sünde in unserem Herzen angenommen. Und dies verändert alles andere.

Dein neues ‚gutes Herz‘ ist es, was am meisten wahr über dich ist
Als ich mein Leben mit 16 Jahren Jesus gab, tat ich dies aus zwei Gründen: Ich brauchte Vergebung und ich wollte in den Himmel kommen. Das war auch das, was ich in der Verkündigung hörte. Nur wusste ich damals wenig davon, dass das Evangelium so viel mehr umfasst. Ich hatte keine Ahnung, dass ich in Christus auch Wiederherstellung zu erwarten habe.
Der Glaube an Jesus verändert unser Innerstes, was z. B. als „wieder geboren“ (Joh 3,3) beschrieben wird. Paulus schreibt von der „Erneuerung durch den Heiligen Geist“ (Titus 3,5).
Immer wieder sagten mir Männer, die mit sexueller Lust zu kämpfen hatten, dass ihr Herz böse sei und zitieren dabei Jeremia 17,9. Aber für einen Menschen, der Christus vertraut, ist das ein lähmender Fehler. Gott hat sein Herz neu gemacht. Sein Herz ist nicht länger hoffnungslos böse. Und dies ist keine kleine theologische Spitzfindigkeit.
Was tatsächlich wahr ist, wenn du zu Gott gehörst, ist, dass du ein ‚gutes Herz‘ hast. Im tiefsten deines Inneren hast du eine Leidenschaft, Gott zu lieben und in seinen Wegen zu gehen. Das ist kein emotionales Statement. In diesem Moment, unabhängig davon, ob du heute Morgen Pornographie geschaut oder dich letzte Nacht masturbiert hast, sagt Gott dies über dich: 1Johannes 1,5-9; Epheser 5,27; 2Korintherbrief 5,17.21; Galaterbrief 2,20; Römer 6,11; Lukas 8,15 [Die Aussagen sind bewusst nicht ausgeschrieben, damit die Bibelstellen im Original gelesen werden.]
Deine sündige Natur ist nicht deine wahre Identität. Es ist nicht deine tiefste Schicht deiner Persönlichkeit und ist nicht länger deine beherrschende Neigung. Sünde definiert dich nicht länger.
Mache keinen Fehler. Deine sündige Natur, dein „Fleisch“, ist weiterhin lebendig. Deine Lust auf Pornographie, dein Versuch, Frauen als sexuelles Objekt zu betrachten, dein Verlangen, deine Lust zu befriedigen – dies sind alles Erweise, dass die sündige Natur noch da ist. Aber „dein Fleisch“ bestimmt nicht länger den Kern deiner Identität. Deine sündige Natur definiert nicht länger, wer du bist.

Was du willst, ist nicht das, was du in Wahrheit willst
Du könntest nun denken: Das ist alles schön und gut, und das mag ja alles wahr sein. Aber warum ist es, dass ich nach wie vor von Lust und Pornographie kontrolliert werde?
Erinnere dich an den verzweifelte Gebet des Paulus in Römer 7. Sogar er kämpfte mit der Sünde und mit diesem inneren Zerwürfnis (vgl. Römer 7,17-18). Paulus unterschied jedoch zwischen seiner sündigen Natur und seinem wahren Selbst – dem neuen Herzen in ihm. Er sagte dann, es sei die Sünde in mir, die es verlangt (Römer 7,20).
Paulus sagt uns, dass wir uns nicht länger über unsere sündige Natur definieren sollen. Wir dürfen unsere sündige Natur nicht mit unseren neuen Herzen verwechseln. Unsere sündige Natur wurde mit Christus mit gekreuzigt. Unsere Herzen in uns sind absolut lebendig für Gott.
Wenn es dir scheint, dass alles, was du willst, ein Orgasmus ist, dann ist in dir noch etwas, was tiefer liegt und mehr möchte. Wenn du denkst, dass du am liebsten in dein Hotelzimmer gehen würdest, um dich durch das Pay-TV durchzuklicken, lebt ein noch tieferes Verlangen in dir. Das ist, warum Larry Crabb mich herausforderte und mich drängte zu sehen, wonach ich wirklich durstig bin. Es gibt in uns ein tieferes Verlangen als die Nacktheit einer schönen Frau. Und du kannst lernen, diesem tieferen Verlangen mehr zu folgen.

Dein wahres Verlangen in dir wecken
Wenn du Karotten und Sellerie neben eine Schale voller Chips legst – was davon wäre begehrenswerter? Ich weiß, dass Gemüse gesünder ist, und dass Chips die ungesunde Wahl wären. Aber dies zu kennen, verändert meinen Appetit nicht. Ich will die Chips! In den ersten 20 Jahren als Christ hatte ich stets gedacht, Gottes Wege seien das Gemüse und mein Verhalten hat was mit Chips zu tun. Ich nahm an, dass auch wenn ich über seinen guten Wege Bescheid weiß, meine natürliche Neigung mich stets zur Lust und verbotenem Sex treibt.
Das Evangelium dreht diesen Umstand um. Die Wahrheit ist, dass tief in deinem Herzen du nun nach Gottes Wegen verlangst (Psalm 37,4). Jesus zu folgen bedeutet also nicht, nicht zu sündigen. Es geht darum, Sein Leben aus mir heraus sprudeln zu lassen. Das Ziel ist nicht, den Wasserhahn der Lust zu schließen, sondern den Wasserhahn des Vertrauens zu öffnen. Es ist das Vertrauen, dass Gott mein Herz neu gemacht hat und dass mein Herz gut ist. Ich begann zu verstehen, wie viel Energie ich in das Sünden-Management investierte. Und dann fing ich an, mich auf das Leben des sprudelndes Wassers zu konzentrieren, das Jesus versprochen hatte (Johannes 4,14).

Was definiert dich?
Über die Jahre habe ich viele Gruppen von Männern, die ein zwanghaftes sexuelles Verhalten hatten, begleitet. Zu Beginn jeder Sitzung hat jeweils einer der Männer eine Kerze angezündet und ungefähr folgendes gesagt: „Erstens, wir zünden die Kerze an und anerkennen damit die Gegenwart Christi – das Licht der Welt, der in uns lebt. Zweitens, wir zünden die Kerze an, um zu feierlich zu erklären, dass wir nicht durch unsere Dunkelheit definiert werden, sondern dass wir durch das Licht Christi definiert werden.“ Ich hätte nie gedacht, was für eine Wirkung ein kleines symbolisches Ritual haben könnte. Bei den meisten Abschlussrunden würdigten die Männer dieses Ritual, das ihnen in Erinnerung bleiben werde.
Kurz vor meinem Geständnis meines Doppellebens machte ich eine Erfahrung in einer Kathedrale. Als ich in dieser Kathedrale verzweifelt, müde vom Kämpfen und entmutigt so da saß, schrieb ich ein Gedicht. Es war ein Gedicht über mein Selbst, dass eigentlich fliegen wollte, auch wenn ich laufend meine Federn für die Pornographie und andere sexuellen Verfehlungen hergab [Hier spielt der Autor auf eine Geschichte an, die in der Einleitung erzählt wird].
Sitzend in dieser Kathedrale realisierte ich, dass meine Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Zuneigung gut war. Meine Sehnsucht nach Schönheit war gut. Mein Durst nach Freiheit und Wildnis-Erlebnissen war gut. Das Licht und die Leidenschaft in mir waren gut. Mein Herz war gut. Natürlich war es gut – es war ja das Herz von Jesus.
Erkenne, dass du über Sein Licht definiert wirst. Schau, wenn Jesus in dir lebt, ist dir vergeben und du bist rein. Aber über dieses hinaus, dein sündiges Herz ist neu. Du hast eine neue Identität erhalten, eine Identität, die durch Christus definiert wird. Tief in dir findet sich eine Leidenschaft, die größer ist, als deine Leidenschaft nach Pornographie, Erleichterung, Komfort oder Rache. Es ist die Leidenschaft, Gott zu lieben und in seinen Wegen zu wandeln.

Was könnte das für dich bedeuten, diese Flamme in dir neu anzufachen?

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