Publikationen

Wright & Bird über das Forschen und Publizieren

N. T. Wright & M. F. Bird – zwei herausragende Neutestamentler unserer Zeit

N. T. Wright & Michael F. Bird gehören ohne Zweifel zu den Champions League Playern der neutestamentlichen Forschung. Ihre Einleitung The New Testament in Its World im Logos 8 Format ist theologisch herausragend, pädagogisch inspirierend (eine Professorin führt laufend ein Email-Gespräch mit einem Studenten) und im sprachlichen Stil gewohnt N.T.Wright like. Durch das digitale Format wirken die Fotos, Karten und Grafiken leuchtend klar und qualitativ hochwertig. Für mich ist das Werk eines der Highlights des letzten Jahres und für Pastoren und Studenten der Theologie unbedingt zu empfehlen (Englisch wird vorausgesetzt).

Wer in einem ca. zehnjährigen Schreibprozess so ein herausragendes Werk veröffentlicht, ist eine gute Inspirationsquelle für junge Forscher. Im folgenden gebe ich wieder, was ich bei Wright & Bird in ihrem A Short Guide to Writing & Research: An Interview lehrreich finde.

  • Ich muss mein Lesen strukturieren:
    • a) Bücher, die ich gründlich studiere und bespreche
    • b) Lektüre, die ich überfliege, kurze Auszüge davon notiere bzw. markiere, ggf. kurz bespreche
    • c) Lektüre, die ich einfach zur Muße und persönlichem Gewinn lese
    • d) Lektüre, über die ich meditiere und die ich ‚verdauen‘ möchte (Spiritualität; NT; – in Texte eintauchen, sie atmen)
    • e) Lesestoff, der ablenkt, non-sense darstellt usw.
  • ein Lesen, das Inhalte verarbeitet, benötigt zwei Anläufe nach Bird:
    • 1) (Zügiges) Lesen und Markieren des Textes (* = interessant – wird später übernommen; # = wichtig usw.)
    • 2) Sichten der Markierungen und Übertragung in die eigene Struktur – Hier ist Bird oldschool mäßig unterwegs und überträgt alle Inhalte in Word-Dokumente.
  • Ich brauche einen Workflow, wie ich das, was ich lese, fürs spätere Arbeiten verwende
    • Wright: Liest auf ein Projekt/Buch hin, schreibt und nimmt dann die gelesenen bzw. weitere Quellen auf.
    • Bird (ähnlich wie C. S. Keener): Liest breit, möglichst viele Primärquellen und sammelt die Inhalte in Word-Dokumenten.
  • Jedes Buchprojekt/Artikel benötigt ein big-picture, wobei der Start des Schreibens unterschiedlich sein kann
    • Wright: Mindmap auf Papier
    • Bird: Struktur als Gliederung
    • Super Tipp von Wright: Stelle dir folgende Fragen, auf die du eine Antwort haben solltest:
      • Worüber schreibst du?Antwort an zennjährige Nichte?
      • Worum geht es da jetzt genau? Antwort an einen 15jährigen Neffen?
      • Erweiterung mit Fußnoten – Rechenschaft gegenüber dem Professor
  • Zeiten des Schreibens können variieren
  • Bird: Zielgerichtetes Vorgehen beim Schreiben für konkrete Zeitblöcke einüben. Frage dich: Was möchte ich in den nächsten zwei Stunden konkret erreichen?
  • NT-Lektüre umfasst immer die Vergangenheit (Geschichte), Literatur (Text) und Theologie (Erkennen/Verstehen über Gott und die Welt)

In fact, I often say to the students, “If you’re writing a paper, I will eventually want all the footnotes. I want everything in place. But in order to be clear what you’re saying, start by imagining that your ten-year-old niece says, ‘What are you working on?’ And you’ll say two quite simple things.” That gives you the framework of the piece. Then, imagine your fifteen-year-old nephew says, “Yeah, but what does that actually mean?” And that gives you your subheadings. And work your way steadily up so that the professor is the last person you’re thinking of to fill in the footnotes. Most students do it the other way around. They think, “What does the professor want to see?” They throw all that stuff in, and then the thing is shapeless and without definite statements with meaning (Wright 2019:6).

Inspirierend ist auch das, was Bird über die Konstruktion einzelner Abschnitte schreibt – ein Gedanke, der für fortgeschrittene Schreiber relevant ist:

In more recent years, I’ve worked very much on how I write individual paragraphs. I make sure every paragraph gets its own topic line, which is then filled out in the rest of the paragraph. Then I try to finish the paragraph in a way that brings some sort of closure or prepares you for the next paragraph. So in recent years I’ve worked very hard at the paragraph level. (…) Instead, a paragraph should be clear, have a sense of progression, and some sort of closure. An individual paragraph should almost be its own individual story. While you’re writing a paragraph, don’t think to yourself, That’s long enough. I’ll just start a new one. And hit the enter key (Bird 2019:11).

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