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Heirate wen du willst, nur [sei es] im Herrn (1Kor 7,39)

In den ausführlichen Äußerungen über das Heiraten, das Werben für ein Leben als Single, das Verhalten in inter-religiösen Ehen usw. schreibt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief 7,39:

Eine Ehefrau ist gebunden, solange ihr Mann lebt. Wenn aber der Mann gestorben ist, dann ist sie frei zu heiraten, wen sie will, nur [geschehe es] im Herrn. 

Die Phrase μόνον ἐν κυρίῳ (allein/nur im Herrn) kommt nur hier im NT vor. Der Ausdruck ἐν κυρίῳ ist dagegen typisch paulinisch (1Kor 11,11; Phil 4,1-2; 1Thess 3,8; 5,12 usw.) und zielt auf das Sein bzw. die Zugehörigkeit (der Christen) in dem Herrn bzw. auf ein Tun ’nach der Art des Herrn‘.

Die Freiheit, zu heiraten, wen frau/man will (vgl. Röm 7,2f), wird durch das μόνον ἐν κυρίῳ eingeschränkt. Was aber bedeutet dieser Ausdruck in diesem Zusammenhang?

David G. Horrel stellt in seinem Artikel „Ethnicisation, Marriage and Early Christian Identity“ 1 fest, dass die Mehrheit der Ausleger der These folgen, beide Partner dieser neuen Beziehung sollten Christen bzw. Mitglieder einer christlichen Gemeinschaft sein (2016:446f). Diese Interpretation ist seit den ersten Jahrhunderten dominierend (z. B. bei Tertullian, Cyprian, Ambrosius, Hieronymus u. a.; anders  dagegen Augustinus).

„Sie sollte  nicht etwa glauben, nach Annahme des Glaubens noch einen Heiden heiraten zu dürfen.“ (Tertullian, De monogamia, 11. Kap., S. 506f).

Nach Horrel verstärkt dann 2Kor 6,14-7,1 (auch wenn dort nicht explizit von Heirat bzw. Ehe die Rede ist) diese Interpretationsrichtung: Glaubende an Christus sollten nicht unter dem gleichen Joch mit Nicht-Glaubenden sein. Wirkungsgeschichtlich setzt sich die Norm durch, dass die Heirat eines Nicht-Glaubenden für Christen verboten sei (:447).

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen der ersten und zweiten Generation der Christen. (1) In der ersten Generation finden Einzelne zum Glauben an Christus und sollen in ihrer Ehe mit einem nicht-glaubenden Partner verbleiben (1Kor 7,12-14). Wie 1Kor 7,15 nahe legt, soll der Christ unbedingt Frieden und ein Auskommen suchen. Zudem ‚profitieren‘ der nicht-glaubende Partner und die Kinder – sie werden „geheiligt“, d.h. die christliche Gemeinschaft wirkt anziehend zum Guten auf den Partner bzw. die Kinder. Gerade im Blick auf die Kinder findet ein Enkulturationsprozess in die christliche Gemeinschaft statt (vgl. Horrell 2016:451f).

(2) In der zweiten Generation werden Christen – da sie frei entscheiden können – angehalten, nur Christen zu heiraten. Damit wird die Identität einer christlichen Gemeinschaft gestärkt. Letztlich geht es Paulus um die Entwicklung einer christlich-kulturellen Gruppe („establishing Christianness as a form of identity“, Horell 2016:452), die dann die Kraft aufbringen kann, die Kultur um sie herum im Sinne des Evangeliums zu beeinflussen.

Fussnoten

  1. Horrell, David G. (2016): Ethnicisation, Marriage and Early Christian Identity. Critical Reflections on 1 Corinthians 7, 1 Peter 3 and Modern New Testament Scholarship. In: NTS 62 (03), S. 439–460.

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