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Die Kraft der Gewohnheiten

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Früher war sie eine unglückliche Frau mit immensen Herausforderungen im Alltag. Das Leben hat ihr alles abverlangt. Ihre Ehe ging in die Brüche: Nachdem sich die Beziehung zu ihrem Mann dramatisch verschlimmerte und vom körperlichen und seelischen Missbrauch begleitet war, folgte die Trennung. Paula Friedrich hatte nun als alleinerziehende Mutter die Erziehung von acht Kindern zu stemmen. Die schier unendlichen Berge an Hausarbeit, die seelische Schuld und die Verletzungen, das ständige Funktionieren-Müssen raubten ihr alle Kraft. Sie fühlte, sie sei seelisch erstarrt.

Doch dann kam ihr der Gedanke, wie sie die Situation verbessern konnte und ihr fiel auf, dass „von […] Nonnen und Möchen eine besondere Ruhe aus[geht]“ 1. Daraufhin entdeckte sie das Geheimnis dieser Ausstrahlung: Es ist die klösterliche Tagesstruktur aus einem wechselnden Rhythmus von Tun und Ruhen, die eine solche Wirkung auf die Seele der Ordensleute hat.

Wir sind das, was wir wiederholt tun. Exzellenz ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit. 

Aristoteles (384-322 v. Chr.), mit Sokrates und Platon einer der drei bedeutendsten Philosophen der griechischen Antike

Fortan begann sie, die Gewohnheiten und Zeiten des Klosters in ihr eigenes Leben zu integrieren. Sie legte Zeiten fest, in denen sie arbeitete, Zeiten des Betens und des Ausruhens. Durch die Ruhepausen ging die Hausarbeit leichter von der Hand. In den Zeiten des Gebets erlebte sie eine Ordnung der Seele und die Heilung von den Schmerzen. Ihre Gottesbeziehung vertiefte sich zunehmend.

aus: Lydia 2/2017, S. 19

Paula Friedrich passte ihre Tagesstruktur den Prinzipien des klösterlichen Lebens an. Und sie entwickelte lebendige Gewohnheiten, die im Wechsel aus Arbeiten und Ruhen bestanden. Dies hatte dramatisch positive Veränderungen. Neben dem Erledigen der Hausarbeit änderte sich ihre gesamte Haltung. Diese sichtbare Struktur hatte unsichtbare Segnungen für ihre Seele. Ihre Haltung zum Leben und zu Gott veränderte sich. Die Folge war – mit Aristoteles gesprochen – Exzellenz bzw. Vorzüglichkeit, die aber nicht an ein Genie erinnert, sondern an einen Menschen wie wir, der/die sein/ihr Leben geordnet hat.

Fussnoten

  1. Friedrich, Paula. Mein neuer Rhythmus – Tun und Ruhen. In: Lydia 2/2017, 12f. 
    Einen Hinweis auf diesen Artikel erhielt ich von Laura Sonntag, einer Schülerin des AHF-Gymnasiums in ihrer Facharbeit (06/2017)

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