Storys

Von einem Hirten, der seine Herde eintauschte

Photo by Ian Schneider on Unsplash

Babrios/Babrius war ein griechischer Fabeldichter (1. Jhr./2.Jhr. n. Chr.). Teresa Morgan gibt in ihrem opus magnum eine seiner Fabeln wieder (vgl. MORGAN, T. (2007). Popular morality in the early Roman Empire. Cambridge [u.a.]: Cambridge Univ. Press., S. 201).
Die Fabel erzählt von einem Ziegenhirten, der mit seiner Herde in einen Sturm geratend, Zuflucht in einer aus seiner Sicht leeren Höhle suchte. In der Höhle fand er jedoch eine Herde wilder Ziegen, die sich ebenfalls (selbständig) vor dem Sturm schützen wollten. Er merkte schnell, dass die wilden Ziegen viel größer und attraktiver (engl. finer) waren als seine. Da fasste er für sich den Entschluss, die Herden einzutauschen. Also fütterte er an diesem Abend die wilden Ziegen, seine eigenen Ziegen liess er hungrig. Am nächsten Morgen waren die wilden Ziegen verschwunden/haben sich aus dem Staub gemacht und seine eigenen Ziegen waren tot. In der Hoffnung auf eine bessere Herde, so das Ende der Fabel, hat er am Ende nichts, nicht mal die eigene Herde, die er eigentlich besaß.
Hier die ethische Motivation der Fabel nach T. Morgan:

„The fable invites us to draw certain conclusions: we should use our intelligence, assess our assets realistically and act accordingly. More than that, by saying, effectively, ‚that’s life‘ – by presenting itself as an inevitable sequence of cause and effect – it discourages us from questioning whether that really is life. It encourages us to think and act within the parameters established by the story, and theatens us with the risk of failure if we do not“ (S. 201).

Wer etwas mehr zur Monographie von Morgan erfahren möchte, findet hier eine exzellente deutsche und eine etwas allgemeinere englische Rezension. Das Buch ist deshalb herausragend, weil Morgan den Versuch unternimmt, die „Ethik der ‚kleinen Leute‘ in der Antike“ nachzuzeichnen.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

Kommentar verfassen