Storys

Anleitung in der Theologie nach Martin Luther

Theologie ist ein mächtiges Wort und für viele staubtrocken. Insbesondere in der christlichen Szene wird schon mal abfällig über die „Theologie“ als solches oder „die Theologen“ geredet. Dabei meine ich folgende immer wiederkehrende Formulierungen herauszuhören:
– Theologie ist lebensfremde Wirklichkeit, eine Theorie, die wenig mit dem wirklichen Leben zu tun hat
– Theologie ist nur etwas für Experten; der ‚einfache‘ Glaube bringt es, Theologie ist etwas für die Profis
– Theologie setzt eine theologische Ausbildung voraus; ohne Ausbildung kein Theologe

Ich möchte dagegen setzen, und zwar mit folgenden Thesen:
1) Theologie ist Leben! Vergleiche Johannesevangelium 5,39-40 (dort explizit: Christologie). Theologie ist eine Art Kultur, Denken mit einer Erfahrung.
2) Jede und jeder ist Theologe. Theologie als Weltanschauung, als „Blick auf das Leben und auf Gott“ verstanden, führt zur Tatsache, dass alle Theologen sind. Es gibt keine Trennung zwischen Klerikern und Laien.

Martin Luther hat in einer bekannten Rede/Schrift sich zum Studium der Theologie geäußert und dort folgendes geprägt:

1) oratio und die Haltung zur Schrift:

Sondern kniee nieder in deinem Kämmerlein und bitte mit rechter Demut und Ernst zu Gott, daß er dir durch seinen lieben Sohn wolle seinen heiligen Geist geben, der dich erleuchte, leite und Verstand gebe.

Der ‚Student‘ (im obigen Sinne) betrachtet die Heilige Schrift als besondere (Offenbarungs)Literatur, die über das ewige Leben lehrt und der mit bloßem Verstand nicht beizukommen ist.

2) meditatio: das beständige und wiederkehrende Lesen/Studieren/Nachdenken der Heiligen Schrift, das ‚Hin-und-Her-Bewegen‘ der Schrift, ohne ihrer überdrüssig zu werden.

3) tentatio:  Die Anfechtung ist das Testfeld der Theologie:

Die [die Anfechtung] ist der Prüfstein, die lehrt dich nicht allein wissen und verstehen, sondern auch erfahren, wie recht, wie wahrhaftig, wie süß, wie lieblich, wie mächtig, wie tröstlich Gottes Wort sei, Weisheit über alle Weisheit.

Die abschliessenden Worte M. Luthers – kaum ein anderer kann es so plastisch ausdrücken wie er – mahnen jeden Theologen und jede Theologin, Theologie zur Ehre Gottes zu treiben:

Fühlst du dich aber und läßt dich dünken, du habest es gewiß, und kitzelst dich mit deinen eigenen Büchlein, Lehren oder Schreiben, als habest du es sehr köstlich gemacht und trefflich gepredigt, gefällt es dir auch sehr, daß man dich vor anderen lobe, willst auch vielleicht gelobt sein, sonst würdest du trauern oder nachlassen, – bist du von der Art, Lieber, so greif dir selber an deine Ohren. Und greifst du recht, so wirst du finden ein schön Paar großer, langer, rauher Eselsohren. So wende vollends die Kosten dran und schmücke sie mit güldnen Schellen, auf daß, wo du gehst, man dich hören könnte, mit Fingern auf dich weisen und sagen: Seht, seht, da geht das feine Tier, das so köstliche Bücher schreiben und trefflich wohl predigen kann. Alsdann bist du selig und überselig im Himmelreich. Ja, wo dem Teufel samt seinen Engeln das höllische Feuer bereitet ist. Summa, laßt uns Ehre suchen und hochmütig sein, wo wir mögen. In diesem Buch ist Gottes die Ehre allein und heißt: ‚Deus superbis resistit, humilibus autem dat gratiam.‘ (1 Petr 5,5) Cui est gloria in saecula saeculorum. Amen.“

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