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Die lectio divina – Zugang zum Bibellesen

Seit langem denke ich über das Lesen der Bibel in den mir bekannten (meist freikirchlichen) Gemeinden nach. Fest steht, dass im Allgemeinen das Lesen der Heiligen Schrift erwartet wird. Die jeweilige Praxis ist hier aber sehr verschieden: Lesen unter Anleitung von Andachtsbüchern, Bibelleseplänen, sporadisches Bibelaufschlagen etc.

Das private und gemeinschaftliche Lesen der Heiligen Schrift ist in der kirchlichen Tradition nicht erst seit dem Pietismus bekannt. Belebt wurde die lectio divina vor allem im Mönchtum. Eine aktuelle und hilfreiche Einführung in diese Methode findet sich hier.

Hier möchte ich aber einige kurze Auszüge aus August Hermann Franckes kurzer Unterricht, wie man die Heilige Schrift zu seiner wahren Erbauung lesen sollte wiedergeben:

„Wenn ein Einfältiger zu seiner Erbauung in Gott die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments lesen will, so muß er“ (1) eine ehrliche und von falschen Motiven freie Haltung des Herzens mitbringen. (2) „In summa: Wenn du die Heilige Schrift zu lesen vornimmst, muß allein dein aufrichtiger Zweck sein, daß du ein gläubiger und frommer Christ werden mögest, nicht nach dem Schein, sondern in der wahren Kraft, daß du dich versichern könnest, du gefallest Gott wohl, und werdest dort seiner mit ewiger Freude genießen.“ (3) Vor der Lesung steht die aufrichtige Bitte an Gott, dass Er sich offenbart. (4) „Billig ist es auch, daß das Lesen der Heiligen Schrift mit lauter Gebet und Seufzen, wie auch mit Lob und Dank Gottes verrichtet werde.“ (5) „Dem Gebet muß die Betrachtung die hand bieten, daß man bei einem jeglichen ein wenig stille stehe und alles fein in seinem Herz erwäge.“ (6) „Wie nun die Lesung der Heiligen Schrift mit dem Gebet muß angefangen und in stetigem Gebet verrichtet werden, also muß man auch damit beschließen.“ (7) „Und dieses, nämlich das liebe Kreuz, ist nun ein recht kräftiges Mittel, die Heilige Schrift zu verstehen, ja vielmehr zu schmecken und zu empfinden. Das Gebet, die Betrachtung und die Anfechtung sind die drei Stücke, welche einen rechten gottesgelehrten Mann machen.
Herr, dein Wort, die edle Gabe,
Dieses Gold erhalte mir;
Denn ich zieh es aller Habe
Und dem größten Reichtum für.
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten
Worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist’s nicht um tausend Welten,
Aber um dein Wort zu tun.“

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