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Josef aus Nazareth – Wer ist er?

Josef wird bei den Erzählungen der Weihnachtsgeschichte entweder kaum beachtet oder man wirft ihm sein Schweigen vor, weil er in den Evangelien kaum in Erscheinung tritt und die Initiative ergreift (so zuletzt im Dezember in einer der Morgenandachten des WDR5).

Beides hat sicherlich mit der textlichen Basis zu tun. Wir haben nicht viele Informationen über Josef und es scheint so, dass die Evangelisten sich nicht sonderlich Mühe geben, um Josef besonders hervorzuheben. Aber ganz so trist sie die Lage nicht aus. Einiges lässt sich über ihn mitteilen. Hier einige Auszüge aus meiner Predigt vom 25.12.2007.

Vorausschau:

1. Joseph, der Schweigsame

2. Joseph, der Träumer

3. Joseph, der Vater

4. Joseph, der Glaubende

1. Josef, der Schweigsame

prominente Ahnenliste (vgl. Mt 1; Lk 3): Josef, der Sohn Davids (Mt 1,20)

bedeutender Geburts- u. Heimatort: Bethlehem (8km südlich von Jerusalem, Noomi, Ruth, David; nach der Rückkehr aus dem Exil deutlich unter 200 Einwohner; z. Zt. des NT ein unbedeutendes Dorf, heute etwa 40000 Einwohner)[1] / Familie wohl wohnhaft in Bethlehem (nur so macht die Volkszählung am meisten Sinn / Geburt wohl eine Art Höhlenhaus – dass Tiere mit ihm Haus waren, war nichts Ungewöhnliches

ein (Bau-)Handwerker, gehörend zur unteren Mittelklasse: „Man besaß zwar ein eigenes Zuhause, doch ohne jeden Komfort.“[2] Von Beruf war Josef ein Bauhandwerker (nicht Zimmerer), also Arbeit mit Steinen und Holz – eine Art Bauhelfer; im jüdischen Kontext war es durchaus keine Schande, ein Handwerker zu sein[3]

– in ntl. Zeit konnten ein junger Mann mit 18 J. und ein Mädchen mit 12,5 Jahren heiraten (Verlobung galt juristisch gesehen als Ehe).[4] Evtl. war Josef einige Jahre älter…[5]

in Lk 1 u. 2 werden allerlei Personen genannt: es sind die Frommen des AT, die „Stillen im Lande“. Sie sind treu und gerecht, befinden sich im Gottesdienst und sie begegnen „Gott auf frischer Tat“:

* Zacharias fragt und zweifelt den Engel an, erlebt das Wunder und lobt Gott

* Elisabeth versteht, dass der Herr durch Maria etwas Großes tun wird

* Maria lobt den Herrn, weil er sich ihrer Niedrigkeit bekannt hat und Er sie ehrt

* Simeon preist den 8 Tage alten Messias im Tempel: „Nun haben meine Augen das Heil gesehen…“

* Hannah, die betagte Prophetin, fing an zu verkündigen, was der Herr tun wird und dass das Warten ein Ende hat

* nur Joseph … er schweigt[6]; er ist der Einzige, nicht Fragen stellt, dessen Reaktion die Evangelisten nicht wiedergeben; er schweigt… und handelt: er bricht mit seiner Frau nach Bethlehem auf, er handelt nach der Thora…

Josef, der Gerechte und Empfindsame: Mt 1,19: ER wollte sie nicht in Schande bringen, obwohl sie ihn – aus seiner Sicht – in Schande gebracht hat

2. Josef, der „Träumer“

– siehe Träume im AT (Querschnitt): häufig im Buch Genesis, teilweise im Buch Daniel und dann vor allem bei Josef im Mt (Mt ist „die Genesis des NT“); es gibt im NT keine andere Person, die so häufig „geträumt“ hat:

– Nicht weniger als 4mal wird berichtet, Josef habe im Traum eine Botschaft von Gott erhalten (Mt 1,20-21; 2,13.19f.22f)[7]

– jedes Mal tut Josef das, was ihm aus dem Traum heraus deutlich wird… (Träume sind bei Joseph eine Form, wie er den Weg Gottes geht; hierin erhält er Weisung, wie es schon Abraham u. Jakob erhalten haben)

– 3x wird anschließend der Ausdruck verwendet: „damit erfüllt würde…“:

* Joseph ist kein Tagträumer

* Joseph offenbart sich der lebendige Gott

* Joseph erlebt Gott auf frischer Tat; er gehört zu den altestamentlichen Frommen, die nun sehen können, wie Gott seine Geschichte zum Höhepunkt bringt

3. Josef, der Vater

– er sichert seinem Adoptivsohn die Nachkommenschaft Davids zu (K. Barth: „Jesus ist zwar nicht der leibliche, wohl aber der eheliche, d. h. der auf Grund von Adoption in das Geschlechtsregister eingetragene Sohn Josephs und also Davids?“; A. Schlatter bezeichnet den Bibelabschnitt in Mt 1,18ff als „Die Einpflanzung Jesu in das Geschlecht Davids“.[8] -> wir müssen begreifen, was das für eine theologische Relevanz hat!

– er gibt seinem Sohn einen Namen (Aufgabe des Vaters): Jeschu o. Jeschua (Gott hilft)

– er übernimmt – Frauen waren vor allem im Kleinkindalter für Erziehung verantwortlich – die Erziehung seines Sohnes in der Tora und im Beruf – ein späterer rabb. Spruch sagt im Blick auf die Ausbildung des Sohnes: „Wer ihn kein Handwerk lehrt, lehrt ihn Räuberei“.[9]

– Josef erscheint als der Beschützer seiner Frau und des Kindes; dass Gott ihm erscheint und ihn leitet, würdigt ihn als das Haupt der Familie; er bleibt ihr und dem Kind treu

4. Josef, der Glaubende

Was ist das Evangelium?

Goldsworthy: “The facts are those of the incarnation, of the perfect life of Jesus of Nazareth, and of his dying and rising from the grave” (:106). “To sum up: the gospel is what God has done for us in Christ for our salvation”, auch wenn dadurch nicht die Frucht des Evangeliums, nämlich Gottes Werk in uns, völlig davon getrennt werden darf (:107).

– Mt 1,20: das erwartete Kind stammt vom Heiligen Geist

– Mt 1,21: er wird sein Volk von seinen Sünden retten

– Lk 2,29-33: „meine Augen haben dein Heil gesehen…“


[1] Vgl. M. Bockmuehl, Jesus von Nazareth, S. 46ff.

[2] Bösen, Lebendige Welt Jesu, S. 75.

[3] Anders die Berufe Gerber, Hirte etc, die nicht angesehen waren.

[4] NTAK, Bd. 2, S. 26.

[5] Im Kindheitsevangelium des Jakobus (2. Jhr.) ist Josef ein merklich älterer Mann, der Kinder aus früherer Ehe mitbringt etc. (vgl. M. Bockmuehl, S. 52f).

[6] Evtl. auch Indiz dafür, dass er früh verstorben ist und es zum Zeitpunkt der Abfassung der Evangelien wenig über ihn an Tradition „erhalten geblieben“ ist.

[7] Bockmuehl: In der Theologie des Mt ist der Gang nach Ägypten bedeutend. „Jesus wird als der Repräsentant Israels angesehen, der den Willen Gottes in aller Gerechtigkeit erfüllt und das Volk in sein ursprünglich vorgesehenes Verhältnis zu Gott führt“ (:61).

[8] Bei Rodenberg, Der Sohn, S. 17f.

[9] Bei Gnilka, Jesus von Nazareth, S. 77.

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