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Zur Trinität

Mit der Aufklärung (seit dem 17. Jhr.) folgte bald eine Kritik an der kirchlichen Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. Die Trinitätslehre wurde als „spekulatives Hirngespinst“ abgetan (vgl. Joest 1989:317) und mit ihr auch die Konzentration auf die Christologie (Childs 2003:43).

Fest steht, dass die Heilige Schrift keine ausdrückliche Aussage „über das dreieinige Sein Gottes“ macht. Die Trinitätslehre „stellt eine Errungenschaft der Kirche dar, und zwar aus ihrem Versuch, das biblische Zeugnis gewissenhaft zu reflektieren“ (Childs 2003:43).

Auf ihrem Weg dahin hatte sie mehrere Abwege zu überbrücken. Zu solchen Fehldeutungen gehörte (vgl. Joest 1989:320ff):

a) Tritheismus – Vater, Sohn und Geist seien drei verschiedene Götter und nur durch ihre Göttlichkeit verbunden. Diese Sichtweise ist nach wie vor aktuell und wird m. E. vom Islam dem Christentum unterstellt.

b) Subordinatianismus – Der eine Gott ist der Vater, Christus und der Geist sind, „ob als übergeschöpfliche oder als ersterschaffene Wesenheiten zu verstehen, jedenfalls Gott untergeordnete Größen“. In der Konsequenz kann man auch hier von einem „Quasi-Tritheismus“ sprechen. Diese Sichtweise wurde von den Arianern (4. Jhr.) vertreten, heute m. W. von den Zeugen Jehovas. Abwandlungen dieses „Abweges“ gibt es, wo nur der Heilige Geist als untergeordnet bewertet wird.

c) Modalismus – hier strebte man eine Lösung an: Gott ist in seinem Wesen eine unteilbare Einheit, der nur verschiedene Erscheinungsweisen (modi) aufweist (Analogie: Wasser, das flüssig, gasförmig oder gefroren in Erscheinung tritt). Kritik fand diese „Lösung“, weil man nach dem Zeugnis der Schrift Vater, Sohn und Geist als beieinander erkannt hat, so dass mit dem Sohn gleichzeitig der Vater gegenwärtig ist etc.

Und wie so oft – bei der Entwicklung von Glaubensbekenntnissen – entstand eine kirchliche Lehre, die aus der Abwehr von (o. g.) Theorieangeboten eine ausgewogenere Trinitätslehre formulierte.

Im Osten formulierte man: „Gott ist mia ousia in treis hypostaseis“ (Ein Wesen in drei Einheiten).

Im Westen formulierte man (u. a. mit Tertullian): „una substantia, tres personae“ (Eine Einheit in drei Gestalten).

„…der Westen betonte stärker die Einheit Gottes in der Unterschiedenheit der Personen, der Osten stärker die Unterschiedenheit der Personen in der Einheit Gottes“ (:322). Um dieses Verständnis abzusichern, entwickelten sich in der Folge „Näherbestimmungen, die hinzutraten und im Westen wie im Osten anerkannt wurden“ (:323).
a) reale differentia: „Sie sind eben nicht bloße ‚Rollen‘, in denen der eine Gott abwechselnd auftritt, sondern in Gott besteht ein wirkliches Gegenüber“.
b) aequalitas der drei Personen: „Keine von ihnen ist weniger Gott selbst als die andere. In keiner von ihnen ist der eine Gott weniger er selbst als in der andern“ (:323).

Quellen:
CHILDS, Brevard S.: Die Theologie der einen Bibel: Hauptthemen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2003.
JOEST, Wilfried: Dogmatik Bd. 1: Die Wirklichkeit Gottes. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht: 3. Aufl. 1989.

Ist die Trinitätslehre nun ein Hirngespinst der Kirche, ein theoretisches Konstrukt und damit belanglos? Fest steht, dass die Kirche in ihrer Lehrentwicklung die theologischen Linien der Heiligen Schrift nachzeichnen wollte. Wer also die Trinitätslehre abtut, ist herausgefordert auf der Grundlage der einen Bibel eine eigene bibelgemäße Theologie zu entwickeln. Ob dies einem einzelnen Forscher gelingt, darf m. E. bezweifelt werden. Ganz abgesehen von dem Schaden, den ein solches Unterfangen für den christliche Kirche hätte.
Noch eines: Die Trinitätslehre erklärt nicht, wie sich die trinitarische „Formeln“ im NT entwickelt haben (zu den verschiedenen Ansätzen vgl. Childs 2003:30f). Sie möchte lediglich dem Umstand Rechnung tragen, dass das AT und NT ein solches Verständnis nahe legen.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Rudi Drews sagt:

    Die Trinitätslehre eine Verhöhnung von Vernung und Verstand?

    Gerade das Gegenteil ist der Fall! Natürlich ist die Trinitätslehre nicht mit unserem Verstand zu erfassen. Wäre sie das, dann könnte sie wohl kaum auf Gott zu treffen. Gott selbst muss ja schon selbst per Definition über unseren Verstand erhaben sein.

    Wenn wir allerdings unseren Verstand als Maßstab unseres Verstehens von dieser Welt machen, dann haben wir immer ein entscheidendes Problem: Denn selbst unabhängig vom Metaphysischen, ist die Welt nicht komplett mit unserem Verstand zu erfassen. Ansonsten wäre sie ja auch ganz schön verengt (bei einigen mehr als bei anderen 🙂 )

  2. Bruno sagt:

    Gerade die Trinitätslehre zeigt, dass die Theologie eine Verhöhnung von Vernunft und Verstand ist. Ihre Grundlage ist reines Wunschdenken. Sie hat mit der Realität so wenig zu tun wie Feen, Elfen, Einhörner, Spaghettimonster unf Osterhasen.

    gbs Köln

  3. Rudi Drews sagt:

    Probleme mit der Trinitätslehre treten da auf, wo man versucht diese zu durchschauen oder zu verstehen.
    Die Trinitätslehre kann immer nur ein Versuch sein, sich an Gottes Wesen anzunähern, ohne ihn jemals begreifen zu können.
    M.E. sind Fehldeutungen der Trinitätslehre immer diesem Fehler erlegen (wobei man diesen Grundsatz auf viele andere Bereiche in der Theologie anwenden sollte). Ich habe neulich ein beeindruckendes Zitat von Gregor von Nyssa dazu gelesen: "Die Begriffe schaffen Götzenbilder, allein das Erstaunen erfasst etwas." (Moltmann, J., Die Geschichte des dreieinigen Gottes, München: Kaiser Verlag, S. 128)

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