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Der Ratschluss Gottes – verschiedene Zugänge

Der Apostel Paulus resümiert über seinen Dienst in Ephesus und kann von sich sagen, dass er nicht unterlassen hat, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen (Apg 20,27). Immer wieder ist diese Aussage als Zielvorgabe in der Homiletik-Literatur formuliert worden (so beispielhaft Stadelmann, Schriftgemäß predigen, S. 71). Häufig steht hier der Wunsch dahinter, die Gemeinde ausgewogen zu unterweisen.

In eine ähnliche Richtung geht m. E. die Biblische Theologie. Sie müht sich darum, von der Vielfalt der Heiligen Schrift zu ihrer Einheit zu kommen. Hier spielen die Fragen nach dem Verhältnis zwischen AT und NT, der Mitte der Schrift und dem Kanon der Schrift eine Rolle.

Nun gibt es verschiedene Zugänge bzw. Annäherungen an den Themenkomplex der Biblischen Theologie bzw. der Verkündigung des Ratschlusses Gottes. Auf folgende Zugänge bin ich in der Literatur gestoßen (Nr 1) bis 4) siehe Rezension zu Bos, Rein, We Have Heard That God Is with You: Preaching the Old Testament):

1) (Christliche) Allegorie: Hier von Marius Reiser zuletzt dargestellten Axiome von Origenes:

„Das Axiom lautet: Die Bibel ist ein inspiriertes Buch, in dem der Heilige Geist alle Teile zu einer Einheit verbindet. Daraus folgt: (a) Alle Einzelschriften und –aussagen ordnen sich dem Ganzen ein. (b) Jede Bibelstelle kann mit jeder anderen erklärt werden. (c) Der Exeget braucht, um richtig zu verstehen, den Geist, in dem diese Bücher geschrieben sind. (d) Große Teile der Bibel haben neben dem wörtlichen einen übertragenen Sinn, der durch Allegorese zu  ewinnen
ist. (e) Eine Auslegung, die der Regula (oder Analogia) fidei widerspricht, kann nicht sachgemäß sein“ (Bibelkritik und Auslegung der Heiligen Schrift: Beiträge zur Geschichte der biblischen Exegese und Hermeneutik, S. 253; Kursivierungen im Orig.).

2) (Christliche) Typologie: alttestamentliche Orte, Personen, Feste etc. geben eine Ahnung auf den Dienst und das Werk in Jesus Christus. Sie sind sozusagen ein Schatten für das, was noch kommen wird. Im Gegensatz zu der Allegorie möchte die Typologie die literarische und historische Bedeutung des Ausgangstextes ernst nehmen.

3) (Christliches) Schema von Verheißung und Erfüllung. At the center of this form of interpretation is Jesus Christ. Bos argues, “The preaching and proclamation based on this hermeneutical paradigm is primarily interested in the prospective and prophetic Christological character of the Old Testament and has less interest in the actual meaning of the promises for Israel as a nation” (49).

4) Die Hermeneutik der Heilsgeschichte. Wiederum bei Bos: Scripture is understood in this hermeneutic “as a witness to the LORD’s redemptive steps in history” (61). He adds: “The history of salvation between creation and consummation is marked by some decisive moments, the so-called kairoi. These special moments are characterized
by ‘progressive reduction,’ which means a progressive process of representation with a decreasing number of persons” (61).

5) Gabenorientierter Zugang. Dieser Zugang ist weniger in den Bibelwissenschaften als mehr in der Praktischen Theologie bekannt (vertreten durch Johannes Reimer und Klaus Eickhoff, siehe u. a. Leiten durch Verkündigung). Anhand der fünffältigen Gabenaufzählung in Epheser 4,11 stellen die Autoren klar, dass die Verkündigug dann ausgewogen wird, wenn mehrere Verkündiger mit ihren je eigenen Geistesgaben (evangelistisch, seelsorgerlich, apostolisch etc.) in der Gemeinde „predigen“.

6) An den Zitaten und Anspielungen zwischen AT und NT orientierter Zugang. Wesentlich geprägt von Hans Hübner: Er will im Umgang mit den neutestamentlichen Schriften die Zitate und Anspielungen berücksichtigen und somit eine Brücke zum AT schaffen (Hübner 1990:30).

7) Am Kanon der Schrift orientierter Zugang (hier vor allem Brevard Childs). Hier ist eine kürzlich erschienene Dissertation von Julius Steinberg (Die Ketuvim – ihr Aufbau und ihre Botschaft, vgl. Jahrbuch für evang. Theologie 2007) interessant. Steinberg konzentriert sich auf die Schriften (Ketuvim) des AT, plädiert für eine bestimmte Reihenfolge (Ruth, Ps, Hi… Chronikbücher). Nachdem er die Reihenfolge begründet hat, versucht er die Bezüge zwischen den einzelnen Büchern herzustellen und somit die Vielfalt durch eine tragende Einheit zu überbrücken. Anhand dieser Studie wird die Herangehensweise des kanonischen Zugangs gut verständlich.

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