Storys

ad fontes – zu den Quellen

„Sed in primis ad fontes ipsos properandum, id est graecos et antiquos.“ – „Vor allem muss man zu den Quellen selbst eilen, d. h. zu den Griechen und den Alten überhaupt.“ Dieses Motto, von Erasmus von Rotterdam im Jahr 1511 in seiner didaktischen Programmschrift De ratione studii ac legendi interpretandique auctores formuliert und gewissermaßen didaktischer Inspirationspunkt dieser Überlegungen, stellt die Grundlage der humanistischen Bildungsbewegung des 15. und 16. Jahrhunderts dar: „Humanisten wie Reformatoren“, so Manfred Fuhrmann, „drängte es zu den Quellen, den originalen Texten ihrer Verehrung und ihres Glaubens; die einen wie die anderen konnten an der auf das Lateinische beschränkten Kultur des Mittelalters kein Genüge mehr finden, und so teilten sie die Überzeugung, dass der Gebildete auch das Griechische, ja selbst das Hebräische kennen müsse.“ (Quelle: Stefan Kipf, „ad fontes?: Überlegungen zur Begründung der Originallektüre im altsprachlichen Unterricht“, S. 1).

Um das Griechische und Hebräische zu beherrschen, bedarf es großer Mühe, Zeit und Disziplin. Hier könnte vielleicht ein antikes Sprichwort, „mit dem ursprünglich ein griechischer Maler darauf hinwies, daß das scheinbar Einfachste für einen Maler (eine feine Linie zu malen) in Wahrheit das Schwierigste sein und  man es jeden Tag neu üben müsse: ‚Keinen Tag ohne eine Linie'“ (Quelle: Die Losungen 2010: Ursprachen). Angewandt auf die Sprachen: „Keinen Tag ohne eine Zeile“ (zu übersetzen).

Kommentar verfassen