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Berger 2005 – Widerworte

Berger, Klaus (2005): Widerworte. Wieviel Modernisierung verträgt Religion? 1. Aufl. Frankfurt am Main, Leipzig: Insel-Verl.

#3/2019

Bewertung 8Innovationsgrad 7
Relevanz 8
Stil 9

Nach der Lektüre dieses Buches wissen Sie:

  • wie es um den ökumenischen Dialog zwischen katholischer und evangelischer Kirche bestellt ist und wo die Grenzen für eine Einheit nach dem NT gemäß der Auslegung Bergers liegen (Wege zur Einheit der Christen? Ein Vorschlag – :53-57).
  • wie es um die Religion in Deutschland, insbesondere aus Sicht eines katholischen Neutestamentlers.
  • woran die Theologie in Deutschland krankt, welche Rolle die Geschichte im Christentum spielt, wie eine Hermeneutik zwischen der historisch-kritischer Methode als Allheilmittel und dem Fundamentalismus anzustreben ist und was im Blick auf die Priester- und Pfarrerausbildung zu verändern ist.

Klaus Berger wird von manchen Teilen der theologischen Landschaft als das enfant terrible gesehen. Der Erfolgsautor eckt an, ist manchmal polemisch und schreibt mit spitzer Feder. Das ist im bewusst und er macht es mit voller Absicht, „um einem Zeitgeist entgegen zu stehen, der Toleranz für einen Religionsersatz und alle Katzen für grau hält“ (:8).

Viele der hier abgedruckten Widerworte sind bereits in anderen Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Damit büßen sie aber nicht ihre Aktualität ein. Die große Stärke dieses Buches ist der scharfe Blick und Weite, die der Verfasser abzudecken weiß. So gibt es wohl kaum einen Exegeten, der die katholische sowie evangelische Situation besser einschätzen kann, als Berger, der beide konfessionellen Stränge in seiner Vita vereint.

In Bezug auf die Auslegung der Bibel schlägt Berger einen Mittelweg zwischen dem Absolutheitsanspruch der historisch-kritische Methode und dem Fundamentalismus vor. Positiv hervorzuheben ist, dass er sein Verständnis von Fundamentalismus darlegt und auch zur Faszination der historisch-kritischen Methode etwas sagt. Für die „Sanierung der Exegese“ schlägt sechs Schritte vor: 1. Neufassung der Formgeschichte. 2. Eine biblische Spiritualität wiedergewinnen. 3. Monastische Exegese neben der scholastischen praktizieren. 4. Eine umfassende phänomenologische Beschreibung vollziehen. 5. Eine Rekonstruktion der Ereignisse wagen. 6. Mit mystischer Faktizität rechnen (vgl. :145-161).

Auch wenn man der scharfen Polemik sich nicht ganz anschließen mag, ist das Werk schon allein wegen des Schreibstils lesenswert. Berger ist ein Meister der Sprache und engagiert in dem, was er tut – das spürt man ihm auf jeder Seite ab.

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