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Bildung ist mehr als der Download von Wissen

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In der Antike zielt die Bildung auf die Formung und Reifung des Menschen im Hinblick auf seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Es geht neben dem Erlernen grundlegender Techniken (Schreiben, Lesen, Grammatik, Einführung in die Rhetorik, Rechnen) in erster Linie um die Vermittlung und Einübung ethischer Wertvorstellungen, die ein ausgeglichenes Leben in Genügsamkeit, Besonnenheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit ermöglichen. Schon in der Antike geht der Bildungsbegriff über technische Fertigkeiten weit hinaus und findet vor allem in ethischen Orientierungsleistungen sein eigentliches Ziel. So ist für Seneca allein die sittliche Vollkommenheit (virtus perfecta) das Ziel der Bildung, auf das selbst die Fächer der septem artes liberales (Grammatik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Dialektik/Logik, Musik) nur vorbereiten. Eine solche Fassung des Bildungsbegriffes ist durchaus anschlussfähig für moderne Bildungstheorien, für die auf der Basis einer notwendigen Wissensvermittlung vor allem Identitätsbildung, Erwerb von Lebens- und Handlungsorientierungen, Kritikfähigkeit und Entwicklung eines Persönlichkeitsprofils im Mittelpunkt stehen. Persönlichkeitsentwicklung und -profil, ethische Orientierungsleistungen, Urteils- und Kritikvermögen (vgl. Röm 12.2; Phil 4.8) und insbesondere Identitätsbildung (vgl. 2 Kor 5.17), all das steht zweifellos auch im Mittelpunkt des frühchristlichen Glaubens- und Gemeindelebens und insofern sind die frühen Gemeinden auch Orte der Bildung.

Udo Schnelle, Professor für Neues Testament an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg1

Fussnoten

  1. Schnelle, U., 2015. Das frühe Christentum und die Bildung. NTS, 61(02), 116f.

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