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Was Väter drauf haben

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Das Geo-Magazin Nr. 01/01 berichtete über interessante Entdeckungen zum Vaterbild. Hier stelle ich einige meiner Highlights dar, die das Psychologenteam um Karin Grossmann und Heinz Kindler von der Uni Regensburg herausgefunden haben:

Die Feinfühligkeit des Vaters beim Spiel, etwa mit Zweijährigen, korreliert extrem stark und eindeutig mit dem Bindungsverhalten der Kinder noch im Alter von 16 und 22 Jahren. Je sensibler der Vater das Kleinkind behandelt, desto sicherer geht der junge Erwachsene mit emotionalen Bindungen um.

Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Kinder im erwachsenen Alter genau jenes Verhalten in Beziehungen an den Tag legen, die ihnen ihr eigener Vater vorgelebt hat.

Väter verwenden einen wesentlich größeren Anteil ihrer Zeit aufs Spielen als Mütter – und erheblich weniger Zeit auf Hausarbeit. (…) Doch die Ungerechtigkeit gegenüber der Frau ist ein Segen für das Kind. Weil Väter anders spielen. Überraschender, unvorhersehbarer, herausfordernder. Und das treibt das Kindeswohl entscheidend voran. Väter setzen beim Spiel seltener Spielzeug ein und häufiger sich selbst. Anders als Mütter, deren Körper die Kinder während Schwangerschaft und Stillphase „nutzen“, stellen Väter den ihren vor allem beim Herumtollen zur Verfügung.

Väter sind gewiefte Experten darin, eben diese Neugier und den Durchhaltewillen ihrer Kinder zu fördern. Sie ermutigen sie eher als Mütter, Ungewohntes auszuprobieren, muten ihnen mehr zu. Väter heben ein Kind wieder auf ein Fahrrad, nachdem es gestürzt ist; sie benutzen bei Kleinkindern längere Sätze, kompliziertere Worte und weniger rhythmische Satzmelodien (…). Sie lehren die Kleinen hartnäckiger, Frustrationen beim Lernen auszuhalten.

Alleinerziehende Väter sind die am schnellsten wachsende Familienform in Deutschland. Zuwachs in den vergangenen 40 Jahren: rund 250 Prozent – ein doppelt so starker Anstieg wie bei Frauen.

Nicht alles im genannten Artikel würde ich so stehen lassen. Zum einen ist – bei aller Gleichartigkeit in der biologischen Veranlagung von Mann und Frau – doch zu fragen, ob dieser steile Satz so stehen bleiben kann: „Vater und Mutter verfügen über gleiche biologische Kompetenzen. Aber sie nutzen ihre Fähigkeiten auf unterschiedliche Weisen.“ (S. 3).

Aber weit fragwürdiger finde ich die These, dass Kinder von „multiplen Vätern“ profitieren können. Gemeint ist hier, dass Kinder in Zukunft meist nur noch „Lebensabschnitts-Eltern“ haben werden. Nun bezweifle ich nicht, dass Stiefväter gute Väter sind/sein können. Aber wenn doch der Vater eine so wichtige Figur im Leben eines Kindes ist, wie verhält es sich dann der Wechsel von Vätern dazu. Es ist erwiesen, dass Kinder eine Bindung entwickeln müssen, ansonsten werden sie kaum zu gereiften Persönlichkeiten heranwachsen. Wenn also diese Bindung immer wieder durch Wechsel in der Partnerschaft unterbrochen wird, werden die Kinder im erwachsenen Alter auch selbst kaum längere Beziehungen „durchhalten“ können.

Schirrmacher, Thomas (2007): Moderne Väter. Weder Waschlappen noch Despot. Holzgerlingen: Hänssler (Hänssler – kurz und bündig).

Eine lesenswerte Ergänzung zum Thema ist das Büchlein von Thomas Schirrmacher, Moderne Väter: Weder Waschlappen noch Despot. Dabei zitiert Schirrmacher Quellen, die feststellen, dass 65 % aller Väter über ihr eigene Rolle verunsichert sind (:10f). Daher müssen Mann und Frau in einer Partnerschaft mehr Aufwand betreiben, um ihre eigenen Rollen zu definieren bzw. entwickeln. Nichts ist mehr vorgegeben (:12). Das ist nicht grundsätzlich negativ, war doch das Vaterbild der Vergangenheit in einigen Teilen sehr fragwürdig, bedarf aber des Wollens. Auch ist davon auszugehen, dass beide Partner beim Start in die Ehe sicher ihrer Erwartungen zunächst bewusst werden müssen.

Auch Schirrmacher stellt fest, dass die Rolle des Vaters elementar für eine positive Entwicklung des Kindes ist. Sein Buch ist geprägt von vielen positiven Möglichkeiten, das ein Kind erlebt, wenn es einen (engagierten) Vater hat. Aber er stellt auch fest: 

Kinder brauchen beide Eltern (:43).

Ein guter Vater verkörpert aus meiner Sicht drei Eigenschaften:

  • Er ist ein Mann mit Rückgrat. In seiner Persönlichkeit ist er gereift und hat eigene Überzeugungen. Er ist frei, weil er seinen Selbstwert nicht aus Umständen oder anderen Bezugspersonen bezieht. Ihn prägt ein innerer Kompass. Deshalb scheut er sich nicht vor Konflikten oder Entscheidungen über die Erziehung des Kindes. Er beurteilt gerecht, weitsichtig und mit einer positiven männlichen Entschiedenheit.
  • Er ist ein Vater aus Nähe und Präsenz. Er ist da. Seine Bürotür steht für Tochter bzw. Sohn immer offen. Er ist interessiert und gerne mit seinen Kindern zusammen. Ihn prägt die innere Freude an seinem Kind. Deshalb wird er gehört und respektiert.
  • Er hat Güte und Humor. Ein Vater prägt die Atmosphäre und Kultur – und das ohne Worte. Er macht die Seinen glücklich, wenn er da ist, nicht wenn er gegangen ist. Er wird (direkt oder indirekt) von Gott selbst geprägt, der selbst der Vater aller ist (Epheserbrief 3,14f). Deshalb wird ihm vertraut und er fördert ein Grundvertrauen in das Leben.

Einen reichen Fundus an Anregungen und Anmerkungen zur Perspektive eines Vaters bietet der Blogger Hanniel Strebel.

Dieser Artikel wurde zuerst am 08.02.2009 veröffentlicht und nun im August 2018 überarbeitet.

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