Modell A: Die Welt ist tripolar

Was komplex ist, möchte verstanden werden. Die Welt – nämlich die globale, digitale, transnationale … – ist hochkomplex. Verstehen gelingt über Modelle. Modelle erklären die Wirklichkeit, beabsichtigen eine Ausgewogenheit und reduzieren auf das Wesentliche (abstrahieren). Tragfähige Modelle sind wie ein Dach – sie bedecken das ganze Haus. In dieser Serie stelle ich Modelle dar, mit deren Hilfe ich mir die Welt erkläre. Sie wollen erklären, das Ganze eines Sachverhalts abbilden und streben nach Ausgewogenheit.

 

Beschreibung

Das von Peter Beyerhaus entwickelte tripolare Religionsverständnis rechnet mit drei Elementen, die in jeder Religion (gleichzeitig) wirksam sind. „Demnach sind Religionen geistliche Manifestationen innerhalb des Einflussbereiches von Gott, Mensch und Dämonie“ (Piennisch 2009, S. 122).

das göttliche Element (der theonome Faktor)
Es ist die göttliche Selbstoffenbarung im Allgemeinen (z. B. geschaffene Welt) und im Konkreten (z. B. Transzendenzerfahrungen, die direkt oder indirekt auf Jesus Christus verweisen)
Gen 1-11; Joh 1,1-10; 16,5-15; Apg 17,26-28; Röm 1,20; 2,15; Kol 1,15-20; Hebr 1,1f;

das menschliche Element (der anthropologische Faktor)
Es ist das religiöse Wesen des Menschen, seine Suche nach seinem Schöpfer, seine Tendenz zur Sittlichkeit und eine Ahnung für das Gute/Schöne – kurzum: die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott.
Gen 1,26f; Pred 3,11; Apg 17,27a; Röm 2,15; u.a.

das dämonische Element (der dämonische Faktor)
Es sind die destruktiven, zwanghaften, okkulten Wirkungen und Äußerungen. Diese zeigen sich in einer strukturellen Form (z. B. Armut, Korruption) bzw. auf persönlicher Ebene.
Gen 3,1-7; Apg 17,16; 1Kor 10,20; u.a.

Anwendung

Wenn im Kern jeder Kultur ihr (religiöses) Weltbild steckt, dann ist es m. E. legitim, das Modell von Beyerhaus auf die gesamte Kultur (Subkultur) zu beziehen. Die Tripolarität beschreibt die kulturelle Wirklichkeit im Ganzen. Damit hilft dieses Modell, eine kritisch-würdigende Haltung gegenüber der eigenen bzw. anderen Kulturgruppen einzunehmen.

aus: Scheunemann, D. 1980. Und führte mich hinaus ins Weite: Studien über das Wirken des Heiligen Geistes in Indonesien und anderswo, Wuppertal. S. 13.:

Unter den über 500 Christen aus der Erweckungsbewegung auf Timor, die
sich zu einem 10-tägigen Bibelkursus versammelt hatten, saß ein alter
Mann, der in eigener Bildschrift die Hauptsachen des Unterrichts mitschrieb. Vor einigen Jahren hatte er noch als Opferpriester seines Dorfes den Götzen geopfert. Da hörte er eines Tages beim Opfern mit seinen Ohren Gottes Stimme, die ihn anrief: »Bekehre dich zu dem lebendigen Gott!«
Auf der Stelle verließ er den Götzendienst und baute dem lebendigen Gott ein Haus, in dem er fortan an jedem 7. Tag mit seinem Dorf den lebendigen Gott anbetete, und zwar in Wort und Gesang. Er sang mir diese Lieder vor. In timoresischer Sprache enthielten sie Dank und Anbetung an den Schöpfer. Durch direkte Offenbarung empfing er den Schöpfungsbericht und zeichnete ihn in seiner Bildschrift auf. Er selber ist Analphabet. Er zeigte mir diese Zeichnungen, die in ihrer Reihenfolge dem biblischen Schöpfungsbericht entsprachen, auf vergilbten Blättern. Er empfing auch
den Namen Jesus durch Offenbarung, auf den er und sein Dorf warten
sollten. Und wirklich, zwei Jahre später bekam er die ersten Kontakte mit
Christen. Als die ersten Evangeliumsboten in sein Dorf kamen, fanden sie eine wartende, alttestamentliche Gemeinde vor.

das göttliche Element
die Stimme des Geistes, die Offenbarung als Schöpfer und die Nennung des Namens Jesu…

das menschliche Element
Sehnsucht nach dem Übernatürlichen, Wille zur Kommunikation, erlernte Fähigkeit des Schreibens und Musizierens usw.

das dämonische Element
Götzendienst (Austausch des einen Gottes gegen andere Gottheiten)

Begründer

Peter Beyerhaus (1929-)

Vertreter/ Befürworter

Thomas Schirrmacher, Johannes Reimer, Scott W. Sunquist, Markus Piennisch, David J. Bosch …

 

 

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