Effektive Personalentwicklung an christlichen Schulen

In seinem kenntnisreichen Buch widmet sich Richard J. Edlin in einem Kapitel der Personal- und Lehrerentwicklung an Schulen (vgl. Edlin, R. J. 2014. The cause of Christian education, Fourth edition, Sioux Center, Iowa. S. 261-70). Seine Hauptaussagen und Thesen fasse ich im Folgenden auf Deutsch zusammen, weil sie von grundlegender und weitreichender Natur sind.

Worum geht es? Personalentwicklung (PE; im Quellentext „Teacher Professional Development“ und mit PD abgekürzt) ist ein andauernder und reflektierter Bildungsprozess, der die teilnehmenden Lehrkräfte befähigt, noch effektiver und verantwortungsvoller ihr Lehren und Unterrichten zu gestalten (261).

Die Realität ist, dass das Meiste, was im Bereich PE an (christlichen) Schulen läuft, eine Verschwendung von Zeit und Geld ist (262).

Most of the staff development that is conducted with K-12 teachers corresponds with the short-term transmission model, with no concern for what is already going on in a particular classroom, school or school district, little opportunity for participants to become involved in the conversation, and no follow-up (Richardson in 262).

Die regelmäßigen Schulungs-Events sind oft – was ihre Wirkung für eine andauernde und systematische Klassenraum-Erneuerung angeht – ein erbärmlicher Fehler („abject failure“, 263). Soll PE effektiv und wirkungsvoll sein, muss es eine hohe Priorität erhalten und im pädagogischen Alltag eingebunden werden.

Die Bedeutung der Positionierung der PE innerhalb eines Weltbild-Kontextes

PE ist – ob christlich, säkular oder humanistisch – stets ein vom Weltbild abhängiges Unterfangen. PE möchte ja die Haltungen, Werte und Weltanschauungen („beliefs“) der Lehrkräfte ansprechen (263). Daher kann die Anerkennung und Berücksichtigung der Glaubens- und Weltanschauungskonzepte des Kollegiums wie ein Katalysator wirken (263f). Ein möglicher Ansatzpunkt, um hier Christen zu motivieren, ist der Rekurs auf die Ehre Gottes und die Zentralität des Evangeliums (264).

In other words, always link PD activities to a school’s core purpose, and to teacher’s most deeply held beliefs (Edlin, 264).

Die Wichtigkeit und Gestalt einer effektiven PE

Effektive PE ist unverzichtbar für eine effektive Pädagogik (264). Die richtige Art der kontinuierlichen, strukturierten Lehrerbildung hat eine direkte positive Auswirkung auf das Lernverhalten der Schüler (264). Was sind nun die Schlüssel-Strategien für eine effektive PE?

  1. PE sollte schulweit etabliert sein, mit konkreten Verbindungen zu spezifischen und anerkannten Nöten/Bedürfnissen (needs) in der Schule und zum erwünschten Schüler-Outcome.
  2. PE sollte auf lange Sicht angelegt sein (long-term), mit Rückblick-, Evaluations- und Feedback-Schleifen.
  3. PE ermutigt zur Etablierung von Lehrer-Teams (Professional Learning Communities, PLCs), so dass die gängige Individualismus- und Isolationstendenz im Lehrerberuf überwunden wird.
  4. PE fördert das Einverständnis der Teilnehmer in Bezug auf Ziele und Vision der jeweiligen Bildungseinrichtung (264).
  5. PE hat eine unterstützende und beteiligte Administration [d.h. im angelsächsischen Kontext, dass der Mitarbeiterstab aus Schulleitungsmitgliedern (stuff) ebenfalls aktiv an der PE mitwirkt] (264f).
  6. PE verfügt über Fördermöglichkeiten bzw. hat Ressourcen für Material, Arbeitszeitbefreiung, externe Referenten und Vertretungslehrer [kurzum: begünstigende Rahmenbedingungen] (265).

Neben diesen 6 Strategien sind weitere drei Bestandteile zentral:

  1. Die beteiligten Teilnehmer entwickeln eine Kenntnis über die Identifizierung des (Schulungs-)Problems, über die PE-Gestaltung und die Evaluation [Hier ist die Transparenz des Prozesses für Teilnehmer entscheidend], was z. B. durch Mitarbeitergespräche gefördert werden kann.
  2. Die Erkennung/Kenntnis und Verbindung der PE-Inhalte mit den Weltanschauungen, Werten und dem beruflichen Alltag der Teilnehmer.
  3. Die Zuhilfenahme eines externen Moderators kann in der Entwicklung helfen (265).

Neben diesen 6 Strategien und 3 Bestandteilen sind vier Prinzipien entscheidend für die Effektivität und den Erfolg der PE:

  1. Erschließung der zentralen Weltbilder (Core Beliefs). „The critical perspective of tying PD into core beliefs can make a huge differance in the efficacy of the PD for any teacher, but is has a special poignancy for Christians…“ (265). Hier ist allerdings nicht eine biblizistische Vorgehensweise gemeint, sondern eine sachgemäße Anknüpfung an Prinzipien und Normen innerhalb der God’s Big Story.
  2. Entwicklung der Dringlichkeit bzw. Bedürfnisse zur Veränderung initiieren. PE sollte ganz eng mit den Nöten im Klassenraum und der Praxis verbunden sein. Eine effektive Methode in der Schulungspraxis ist die kognitive Dissionanz, vgl. Jesus im Gespräch mit Nikodemus (267).
  3. Das Problem der Nicht-Transferierbarkeit. Vorträge/Seminare von „Experten“ bilden oft nur die Spitze des Eisbergs ab, also der Idee bzw. des Sachverhalts. Aber hinter einem solchen Sachverhalt steckt ja viel mehr. Deshalb brauchen Verhaltensänderungen bei Teilnehmern Zeit, Diskussion, Austausch mit Anderen und Reflektion. Transformation geht nur auf lange Sicht hin (267).
  4. Zusammenarbeit unter Lehrkräften (Peer Collaboration). Hier geht es darum, die Isolation unter Lehrkräften zu überwinden und mehr Teamarbeit und Zusammenarbeit zu stärken (268).

Es hat sich nach Edlin bewährt, die o.g. Überlegungen in einen Evaluationsbogen umzuformen und regelmäßig bei Fortbildungen einzusetzen. So kann eine Auswertung auf lange Sicht hin erfolgen (265).

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