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Buchempfehlung: Der Weg der christlichen Theologie

Graeme Goldsworthy (anglikanischer Theologe, Australien)

Wer sich laufend mit Einzelfragen innerhalb der Theologie und Spiritualität beschäftigt, der kann schon mal den Blick für das große Ganze verlieren. Ähnliches erlebte ich nach meinem Studium der Theologie. Im Gemeindedienst angekommen, stellte ich fest, dass mir bei vielen Detailfragen der „rote Faden“ in den Bibelwissenschaften fehlte. Wie verhält sich das AT zum NT? Wie ist das AT in einer Kirchengemeinde zu kommunizieren? Und wie kann nun Christus in den Schriften „entdeckt“ werden (vgl. Joh 8)? Damals (in 2006) half mir Graeme Goldsworthy, ein anglikanischer Theologe (Australien), meine vielen losen Enden in ein zusammenhängendes Bild zu bringen. Seine Trilogie (The Goldsworthy Trilogy) gehört für mich auch heute zu meinen Lieblingsbüchern. Die Biblische Theologie wurde seitdem für mich zu einer „Schlüsseldisziplin“ innerhalb der Bibelwissenschaften.

Einen „ähnlichen Segen“ erlebe ich aktuell beim Lesen von Alister E. McGrath, Der Weg der christlichen Theologie (3.Aufl., 2013). McGrath gelingt es einfach gut, die wesentlichen Stränge der Theologiegeschichte interessant zu erzählen, in wissenstheoretische sowie methodologische Fragestellungen einzuführen und die Hauptpunkte der Dogmatik (Glaubenslehre) darzustellen. Dabei ist er selbst begeistert von dem, was er tut. Eigentlich von Haus aus Naturwissenschaftler (Biochemie) studierte er anschließend Theologie und bekennt im Vorwort, was ich schon seit geraumer Zeit erahnt habe:

Als jemand, der glaubt, dass es sich bei der Theologie um eines der lohnendsten, erfüllendsten und wirklich aufregendsten Fächer handelt, die man überhaupt studieren kann, habe ich… (A. E. McGrath, XV).

Das Buch umfasst stolze 727 Seiten, das mit einigen Registern und Empfehlungen zur weiterführenden Literatur daherkommt. Fachbegriffe werden behutsam eingeführt und erläutert.

Wollte man inhaltliche Kritik üben, dann würde ich bemängeln, dass McGrath der Pneumatologie (Lehre über den Heiligen Geist) kein eigenständiges Kapitel widmet und das Wesentliche auf nur neun Seiten zusammenfasst. Damit bewahrheitet sich leider das, was Pöhlmann 1998 provokativ schrieb:

Der theologische Publikationsboom in Sachen Heiliger Geist darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er in unseren Gemeinden kaum vorkommt und weithin immer noch ein ‚unbekannter Gott‘ ist, ganz im Unterschied zur neutestamentlichen Gemeinde, in der er eine zentrale Rolle spielte. Man denke an die vielen Geistaussagen von Paulus, Johannes, vor allem aber von Lukas (Pöhlmann 1998:13).

Ich empfehle die Lektüre dieses Werkes folgenden Zielgruppen:

  • Schülern der gymnasialen Oberstufe, die Religion als Leistungsfach haben und sich aus Eigeninitiative ein vertieftes Wissen aus der Vogelperspektive aneignen möchten (Ich bin sicher, es gibt solche Schüler auf diesem Planeten!)
  • Studierenden von Bibelschulen, Hochschulen und Akademien, die in Vollzeit oder nebenberuflich ihr Studium bewältigen
  • Predigern und Pastoren, die in den Mühlen des Gemeindedienstes stehen und einfach mal auf „andere Gedanken kommen möchten“ – Solche Ausflüge in die (akademische) Welt der Theologie inspirieren und nehmen den Gemeindeproblemen ihre Übergröße, die sie manchmal in der Gedankenwelt des geplagten Predigers/ Pastors einnehmen können (eigene Erfahrung!).
  • Lehrkräften, die das Fach (Evangelische) Religion unterrichten
  • einer theologisch interessierten Kleingruppe (z. B. Leitungsgremium einer Gemeinde) – Die Kombination aus Lesen, Austausch und Diskussion ist unschlagbar und wäre wohl der effektivste und spannendste Weg der Aneignung.

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