Leg einfach los! – Eine Korrektur, die in die Freiheit führt

Kevin DeYoung hat in seinem Büchlein Leg einfach los! Ein befreiender Weg, Gottes Willen zu entdecken (2017 (2. Aufl.). Augustdorf: Betanien) ein Dauerthema angepackt, bei dem unendlich viel Verwirrung unter Christen herrscht. Die Methoden sind mannigfaltig: Zufällige Bibelverse, offene Türen, Zeichen am Himmel, Frieden im Herzen usw. – Sie alle sollen helfen, den Willen Gottes zu entdecken. Dabei scheint die Heilige Schrift einen ganz anderen Weg zu favorisieren. Dieser Art der Entscheidungsfindung widmet sich DeYoungs Buch, die letztlich in die Freiheit führt, Vertrauen in Gott weckt und Engagement im Sinne des Reiches Gottes fördert.

DeYoung sieht zwei Ursachen für eine Unschlüssigkeit bei Entscheidungen unter Christen: a) Die „neue“ Freiheit, die keine vorgegebenen Pfade kennt und unendliche Möglichkeiten bietet. b) Die Suche nach dem Willen Gottes ist zu einem Komplizen geworden, „das Erwachsenwerden aufzuschieben“ (12f).

Der Ausdruck „Wille Gottes“ wird in seiner Bedeutung unterschiedlich gebraucht. Die Bibel kennt hierbei das Konzept des „souveränen Willen Gottes – geschieht immer“ und des „moralischen Willens – geschieht nicht immer“ (15-20). Und gibt es denn einen individuellen Willen Gottes und erwartet Gott von uns, dass wir ihn herausfinden, bevor wir irgendetwas tun? Nein (20). „Auf Gottes individuellen Willen zu warten ist das reinste Chaos“ (22f).

Warum suchen so viele Christen teils verzweifelt nach Gottes Plan für ihr Leben? a) Sie glauben, Gott habe sich einen Weg für sie ausgedacht und dieser darf nicht verfehlt werden (24f). b) Andere sind von Natur aus (zu) zaghaft und zögerlich (25f) – da tut eine „Absicherung“ gut. c) Andere streben nach der perfekten Erfüllung im Leben, eine Art Himmel auf Erden (26). Die Prägung „Seit wir denken können, wurden wir dazu ausersehen, Superstars zu werden“ zeigt ihre Spuren in einer überhöhten Erwartung an das (diesseitige) Leben (27). d) Zu viele Wahlmöglichkeiten zwingen zum Suchen nach dem geeigneten Weg und da kommt die Idee eines individuellen Plans gerade recht. Das ist schlicht und ergreifend ein Luxus-Problem (29-34).

Aber ich plädiere dafür, weniger umherzustolpern, früher damit zu beginnen, Gott tatsächlich zu dienen, und vor allem nicht ständig die eigene Entscheidungsfähigkeit zu vergeistlichen, indem man sie als diffuses Suchen nach dem Willen Gottes ausgibt (34).

e) Wir sind Feiglinge. So musste Esther lernen, dass Gottes Pläne unkalkulierbare Risiken mit sich bringen können (Est 2,2-17).

Im nächsten Kapitel erklärt DeYoung, warum dieses übliche Denken über den Willen Gottes falsch ist (39ff), bevor er schließlich „Jesu Weg“ über das Erkennen des Willen Gottes vorstellt (anhand von Mt 6,25-34; 51-53). Zentral ist hierbei Mt 6,33 – diese Denke deckt sich auch mit paulinischen Äußerungen zum Willen Gottes (vgl. 1Thess 4,3; 5,16-18; Kol 1,9; Eph 5,17; 53-57). Nachdem der Autor übernatürliche Wirkungen/Weisungen Gottes (58-65) und vier gängige Methoden („Alle vier Werkzeuge können weise benutzt werden“, 71) in seine Gesamtkonzeption einordnet, stellt er als eigentliche Strategie den „Weg der Weisheit“ vor (81-85). Diese Strategie orientiert sich an der Weisung der Heiligen Schrift, dem Hören guter Ratgeber, dem „richtigen“ Beten (85-91). Es folgen die Anwendung dieser Strategie in Bezug auf die Berufs- und Partnerwahl (92-101) und ein Mut machender Epilog, der das Denken der heutigen Generation mit dem Denken früherer Generationen kontrastiert – und damit die „Weisheit der Alten“ nutzt (106-112). Ein Studienleitfaden aus Thesen und Fragen eröffnet die Nutzung des Büchleins in Gesprächsgruppen.

Wer das Opus Magnum von Gary Friesen (1980). Decision making & the will of God: A Biblical Alternative to the Traditional View (452 S.!) gelesen hat, wird sich an vieles erinnert wissen. Für DeYoung spricht, dass er alles Wesentliche auf 129 Seiten darstellt, eine überzeugende Einordnung des Gebets anbietet (Dies kommt m. E. bei G. Friesen zu kurz) und dabei auch mit einem lebensnahen und kurzweiligen Schreibstil seine Leser gewinnen kann. Ich wünsche mir, dass dieses Büchlein zum Standardwerk der Christen zu dieser Thematik wird, damit viele der grassierenden Irrtümer ausgemerzt sowie Freiheit und Vertrauen in Gott erlebt werden können. (Liebe Verleger – Eigentlich sind in den nächsten 10 Jahren keine weiteren Bücher zu diesem Thema mehr nötig – Kevin DeYoung hat hier schon ganze Arbeit geleistet).

Vergleiche ergänzend Ben Witherington III., der andere bekannte Forscher zitiert.

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