Thesen – Die kausale Struktur der Welt 2007 – D. von Wachter

In diesem Post stelle ich die zentralen Thesen – wie ich sie erkenne – der Dissertation von Daniel von Wachter, Religionsphilosoph und Direkter der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein, dar.

Frage und Aufbau des Werks:

Forschungsfrage
Wie ist die kausale Struktur (Verhältnis von Ursache und Wirkung) der Welt?

Klärung I
Was ist Modalität (d.h. Möglichkeit und Notwendigkeit)?

Kap. 2
Was ist Analytizität (diese ist von Möglichkeit zu unterscheiden und daher vorher zu klären)?

Kap. 3
Was ist nun Modalität?

These1: Die Moderne bestreitet – unter subtiler Annahme eines Determinismus bzw. Mechanizismus des Kosmos – die Willensfreiheit. Der Handelnde fühle sich frei, seine Handlung ist aber „Ergebnis eines kausalen Vorgangs“ (1-3).

Der Psychologe Wolfgang Prinz: Für mich ist es unverständlich, daß jemand, der empirische Wissenschaft betreibt, glauben kann, daß freies, also nichtdeterminiertes Handeln denkbar ist“ (in 5).

These2: Vernünftig denken heißt richtig denken – Dies bedeutet jedoch nicht die Annahme eines bestimmten Weltbildes, sondern es die Frage nach der Vernünftigkeit bei jedem Weltbild zu stellen (7).

Ein gegensätzliches Verständnis wäre: Vernunft/vernünftig denken bedeutet „das, was der moderne Mensch für vernünftig hält“ (9).

Hauptthese: Die Tendenztheorie der Verursachung, eine neue philosophische Theorie der Kausalität, eröffnet einen neuen und hinreichenden Zugang zum Verständnis der Naturgesetze, die gemäß dieser Theorie „keine Humeschen Regelmäßigkeiten enthalten“, und hinterfragt den Laplaceschen Determinismus (11f).

These3: Gegen Kant ist die Forderung nach einer „apodiktischen“ Gewissheit in der Metaphysik „absurd“, denn „gewiß können nur Überzeugungen sein“ (15f).

Erklärung: „Eine apodiktisch gewisse Überzeugung müsste eine sein, die unmöglich falsch sein kann und bei der das Subjekt (…) jede Täuschungsmöglichkeit ausschließen kann“ (16). Wer garantiert mir aber, dass der Apfel, wen ich sehe, wirklich rot ist – es kann auch sein, dass meine Augen mich täuschen? „Nur eine Überzeugung, für die es unmöglich ist, daß sich die Dinge anders verhalten, als die Überzeugung es annimmt, könnte apodiktisch gewiß sein“ (17). Eine solche Überzeugung ist per se nicht möglich, auch z. B. im Blick auf unser Existieren – denn auch hier besteht die Möglichkeit einer Täuschung. Ergo: „die Forderung oder die Erwartung apodiktischer Gewißheit“ ist unberechtigt (18).

These4: „Es ist ein Fehler anzunehmen, daß etwas nur dann Wissen ist, wenn es besonders gewiß oder gar apodiktisch gewiß und unfehlbar ist“ (20). Ziel ist nach mehr als Wissen zu streben, nämlich „nach möglichst gut begründeten wahren Überzeugungen“ (21). Daher: „Uns sollte in der Metaphysik alles recht sein, was uns Erkenntnis verspricht“ (22).

Background: „Modalität“ (und Notwendigkeit) stellt Fragen nach der Möglichkeit von etwas (z. B. „Können sich Naturgesetze ändern oder sind sie notwendig?“ und wird durch die beiden großen philosophischen Stränge des 20. Jhr. – die Phänomenologie und der logische Empirismus – jeweils anders beurteilt (29).

These5: Die „‚logische‘ Notwendigkeit“, die auch bei Abwandlungen des logischen Empirismus vertreten wird, ist in sich keine Art der Notwendigkeit und daher für die „modalen“ Fragen keine hinreichende Lösung (29).

Exkurs: „Wovon ist Wahrsein (und Falschsein) auszusagen; was sind Wahrheitsträger?“ (38). Wahrheitsträger sind, anders wie die platonische Auffassung (die Proposition selbst ist Wahrheitsträger, also z. B. die Rose ist rot) es annimmt, Aussagen und Überzeugungen, „insofern sie wahre Propositionen zum Inhalt haben“. „Daher sind grundlegende Wahrheitsträger Überzeugungen; eine Aussage ist wahr, wenn sie die Äußerung einer wahren Überzeugung ist“ (38).

Background: Das Verständnis der Modalität wird heute wesentlich vom logischen Empirismus geprägt. Demgegenüber steht der phänomenologische Denkansatz. Phänomenologen wie etwa Edmund Husserl konnten a priori Sätze aus der Erfahrung formulieren, z.B.: „Ein und dieselbe Fläche kann nicht zugleich grün und rot sein.“ Für I. Kant und die logischen Empiristen schienen a priori Aussagen „unabhängig von Erfahrung“ nicht möglich. Ihre Position ist: Alles Wissen beruht auf Sinneserfahrung (61f).

These6: Die Erlangung des Wissens ist nicht zwingend nur durch die fünf Sinne möglich (so die logischen Empiristen), sondern auch „durch Erfahrung einer besonderen Art“ (phänomenologische Erfahrung nach M. Scheler, die eine „Erfahrung durch ‚Anschauung‘ oder ‚Wesensschau'“ sei).

Heutige gängige (vom logischen Empirismus geprägte) Auffassung ist wie folgt: „Notwendigkeit ist ein Attribut von Wahrheit, d.h. eine wahre Aussage ist notwendigerweise oder kontingenterweise wahr.“ Dies wurde dann als „logische Notwendigkeit“ bezeichnet (64).

These7: Es gibt „wahre synthetische, d.h. nicht tautologische Notwendigkeitsbehauptungen“ und „modale Fragen in der Philosophie“ sind nicht zwingend „im Sinne von logischer Notwendigkeit zu verstehen“ (65).

 

 

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