Privatschule – ein schillernder Begriff bewirkt unsachgemäße Kritik

Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, muss sich in den letzten Tagen viel Kritik anhören, weil sie und ihr Mann für ihr Kind eine Privatschule ausgewählt haben. Kritik kommt von allen Seiten – nicht nur von den gegnerischen Parteien (was man mit dem Wahlkampf erklären könnte), sondern sogar vom Lehrerverband. Dabei hat Thomas Vitzthum in der Welt vom 06.09.2017 sehr differenziert den Sachverhalt dargestellt und erklärt auch dieses große Missverständnis. Es liege an der Semantik des Begriffs Privatschule.

Wer „Privatschule“ hört, der denkt an Elite, an die Kaderschmieden in Frankreich oder Großbritannien.

Und es liegt schlichtweg an Unwissenheit um Schulen in privater Trägerschaft. Da ist es schon beachtlich, dass die Herausgeber des Sammelbandes Bildung? 26 Thesen zur Bildung als Herausforderung im 21. Jahrhundert ein Kapitel diesem Phänomen widmen. Andreas Schlüter, Jurist/ Professor an der Uni Köln, plädiert dafür, dass Bildung nicht allein öffentliches, sondern auch privates Gut sei. Bildung ist auch eine „private Aufgabe der Gesellschaft“. Daher bildet ein allein staatliches Bildungsmonopol die Gesellschaft nicht hinreichend ab, deshalb ist der Staat „vielmehr verpflichtet, ein System privater Schulen aktiv zu fördern“ (S. 230). Was die Finanzierung des Bildungswesens betrifft, wäre es sinnvoll, einen Großteil des Budgets in die Elementarausbildung zu investieren und im Bereich der tertiären Bildung (Studium usw.) die Bildungsteilnehmer stärker zu beteiligen. In der BRD ist das Verhältnis aber umgedreht.

Im Elementarbereich liegt der Anteil der privaten Finanzierung deutlich höher als im Studium (S. 232).

Der Privatschüleranteil in der Deutschland liege aktuell bei 6,7% über alle Schulstufen (Tendenz steigend; dagegen OECD-Durchschnitt 15,1%). Gravierende Unterschiede fallen in der Finanzierung der Privatschulen im Vergleich zu den staatlichen Schulen auf. Im Allgemeinen sind Privatschulen finanziell schlechter gestellt. Interessant sind die entsprechenden Zahlen (Jahr 2002):

  • Privatschule: 3800€ pro Jahr pro Schüler
  • staatliche Schule: 4900€ pro Jahr pro Schüler

Nach Schlüter wird der öffentliche Haushalt damit um etwa eine Milliarde pro Jahr entlastet. Berücksichtigt man sog. indirekte Kosten, liegt die gesamte Entlastung bei ca. 3000€ pro Jahr pro Schüler. Damit gibt es ein Plus in den öffentlichen Haushalten von 2,3 Milliarden €. (S. 234f).

So wirbt Schlüter dafür, „über eine Förderung des Privatschulwesens grundsätzlich neu nachzudenken; nicht zuletzt auch deshalb, weil freie Schulen seit Jahren anerkannte Impulsgeber bei pädagogischen Konzepten und damit Impulsgeber für das Bildungssystem insgesamt sind“ (S. 236). Solange in Deutschland aber allein der Begriff ‚Privatschule‘ eine unsachliche Neid-Debatte auslöst, wird dies öffentlich schwer durchzusetzen sein.

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