Lokale Kirchengemeinden in Gefahr des Burnout

Wenn lokale Kirchengemeinden/Freikirchen Menschen wären, würden die meisten von ihnen einen Burnout erleiden, so die These von Thom S. Rainer:

„If local churches were humans, most of them would experience burnout.“

In seinem lesenswerten Artikel treibt ihn die Frage um, warum viele Gemeinschaften zu beschäftigt sind und damit ihre Effektivität einbüßen.

Weil viele Gemeinden einfach ein Sammelsurium von miteinander unverbundenen Aktivitäten anbieten, entsteht dieser Missstand. Es existiert keine klare Vorstellung vom Prozess der Jüngerschaft in diesen Gemeinden. Die Mitglieder sind häufig unschlüssig, was sie tun können und wie sie in den Dienst kommen. Und manche Mitglieder ziehen ihr Engagement aus Enttäuschung und Schuldgefühlen zurück („As a consequence, there is no clear plan or process of discipleship in these churches. Members are often confused about what they should do and how active they should be in the disparate ministries and programs. And some members pull back their involvement altogether in a sense of frustration and often guilt.“).

Thom S. Rainer nennt sieben Faktoren, die Gemeinden in das „Getrieben-Sein“ führen.

1) Einige Leiter versäumen es, die Warum-Frage zu stellen, wenn sie einen neuen Dienst einführen. Wenn der Zweck und die Zielrichtung des Dienstes nicht klar definiert sind, entsteht einfach eine weitere Aktivität.

2) Gemeinden haben keine klare Überzeugung, wie sie bestehende Dienste aufgeben bzw. „zum Sterben bringen“ („eliminate“). So bestehen Dienste, obwohl sie jegliche Effektivität vermissen lassen. Solche Dienste sind wie der Kram, der sich über die Jahre in einem normalen Haushalt ansammelt.

3) Manche Dienste starten einfach wegen der Gefälligkeit der Menschen oder weil einzelne Mitglieder einen Wunsch äußern. Dabei geht es um Dienste, die für die betreffende Gemeinde nicht die beste Option darstellen. Die Leiter sind zu zurückhaltend und vermeiden es „Nein“ zu sagen.

4) Manche Dienste sind zu „heiligen Kühen“ geworden. Ihr Mehrwert geht gegen Null. Nur wenige Menschen sind involviert. Und doch traut man sich nicht, diese Dienste zu ihrem Ende zu führen.

5) Dienste in vielen Gemeinden arbeiten losgelöst voneinander. Die Studentenarbeit hat ihre eigenen Pläne, die Kleingruppenarbeit ihren eigenen Kalender ohne Berücksichtung der Hauptgemeinde und auch das Missionskomitee ist überaus aktiv im Pläne-Schmieden. usw.

6) Manche Leiter haben die Philosophie des beständigen „Ja-Sagens“, weil sie alle Mitglieder für einen Dienst gewinnen wollen. Diese Motive sind erstrebenswert. Aber es kann bei Überaktivität zu Chaos und Überlastung führen.

7) Die meisten Gemeinden haben kein Auswertungskonzept für die Dienste. Wenn Dienste ohne Evaluation (Bewertung) fortdauern, können sie ihre Effektivität verlieren. Eine der Aufgaben der Leiter ist es, die Effektivität von Diensten unter Verwendung brauchbarer Kriterien zu überprüfen.

 

 

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