Für Gott geben: Geld und „der Zehnte“ in der Bibel (I)

spenden-geralt-pixabayDie Aufforderung des „Zehnten-Gebens“ (vgl. Maleachi 3,8) beeinflusst indirekt auch das Verständnis darüber, wie das AT gegenüber dem NT auszulegen ist. Und sind Teile des mosaischen Gesetzes für Christen anwendbar? (:53). Andreas J. Köstenberger, Andreas J. & David A. Croteau untersuchen die Belegstellen zum Geben (1) vor dem mosaischen Gesetz, (2) Geben im Gesetz des Mose und (3) Geben nach dem mosaischen Gesetz.

(1) Geben vor dem mosaischen Gesetz

Im Wesentlichen sind hier Texte zu nennen, in denen Abel, Abraham und Jakob das Geben praktizieren. Als Ergebnis dieser Stellen (Gen 4,3-5; 13,14-17; 14,20; 28,20-22)  halten die Autoren fest:

„The texts that discuss tithing prior to the Mosaic Law do not portray tithing as a systematic, continual practice but as an occasional, even exceptional, form of giving“ (:54.60; Übertragung von mir: „Diese Texte beschreiben den Zehnten-geben nicht als systematische und kontinuierliche Praxis, sondern als gelegentliche, sogar außergewöhnliche, Form des Gebens“.).

Das Geben bei diesen Vorkommnissen ist freiwillig. Eine Reihe von Stellen thematisiert sogar das freiwillige Geben (:60). Ein solches Geben ist Ausdruck der Liebe und Opferbereitschaft zu  bzw. an Gott (:60).

(2) Geben im Gesetz des Mose

Beim ‚levitischen Zehnten‘ (Lev 27,30-33; Num 18,21) wurden Tiere, Land, Saat und Früchte gegeben, um den Lebensunterhalt der Leviten zu sichern. Dieser Zehnte war per Gesetz verpflichtend (:61). Das ‚Geben beim Fest‘ (Dtn 14,22-27) unterscheidet sich vom levitischen Zehnten. Denn hier sind die Gebenden Teilhaber der Gabe selbst. Es war eine Gabe für die Verrichtung des Festes selbst (:61f). Schließlich ist das ‚Geben für die Armen‘ zu erwähnen (Dtn 14,28-29), das jedes dritte Jahr gegeben wurde und den Leviten, den Fremdlingen, den Waisen und Witwen zugedacht war (:62).

Zusammenfassend ist festzuhalten:

„First, it appears that the annual tithe of the Israelites surpassed 10 percent of their income, actually totaling more than 20 percent“ (:63; Übertragung von mir: „Erstens, der jährlich zu gebende Zehnte war höher als 10% des Einkommens, ungefähr 20% und mehr“). „Second, historically speaking, Judaism around the time of Christ understood the OT as prescribing multiple tithes“ (:64; Übertragung von mir: „Zweitens, das Judentum zur Zeit Jesu verstand das AT als Vorschrift über mehrere Zehnte“). „Third, the tithes were given to the Levites (…). Fourth, the poor tithe was given to the Levites, foreigners, orphans, and widows.“ (:65; Übertragung von mir: „Drittens, der Zehnte war für die Leviten gedacht. … Viertens, der Zehnte für die Armen war für sozial Schwache und die Leviten gedacht“).

(3) Geben nach dem mosaischen Gesetz

Nach der Zeit des Gesetzes ist der Zehnte in sieben Stellen erwähnt: 2.Chr 31,5-6.12; Neh 10,38-39; 12,44-47; 13,5.12; Amos 4,4 und Mal 3,8. Zusammenfassung: Im Wesentlichen zeigen die Belegstellen in Neh 10 und Amos 3 die Problematik der Kontextualisierung des mosaischen Gesetzes auf eine neue Situation/Ära und die damit entstehenden Fragen nach der Anwendung der Vorschrift und dem Zweck. Auch hat die Diskussion um Mal 3,8 gezeigt, dass

„the passage cannot legitimately be used to argue for the continuation of tithing into the new covenant“ (:70; Übertragung von mir: „… die Stelle legitimiert nicht eine Kontinuität des Zehnten im neuen Bund“).

Der Zehnte im NT

Es gibt im Wesentlichen drei Stellen, die den Zehnten im NT erwähnen (Mt 23,23; Lk 18,9-14; Hebr 7,1-10). Als Fazit ist festzuhalten, dass keine dieser Stellen den Zehnten als eigentliches Thema anspricht und dass keine dieser Stellen dem neutestamentlichen Glaubenden das Geben des Zehnten vorschreibt (:71).

Diese biblisch-theologische Untersuchung verdeutlicht, dass das Geben des Zehnten für den neutestamentlichen Glaubenden nicht erwartet wird noch eine Kontinuität vom AT zum NT impliziert ist. Zu fragen ist ferner nach systematisch-theologischen Argumenten, die beim Geben oftmals ins Feld geführt werden (siehe Artikel II).

Dies ist eine Zusammenfassung des Artikels von Andreas J. Köstenberger & Croteau, David A. 2006. “Will a Man Rob God?” (Malachi 3:8): A Study of Tithing in the Old and New Testaments. BBR(1), 53–77.

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