Für Gott geben: Geld und „der Zehnte“ in der Bibel (II)

Die Autoren – Andreas J. Köstenberger & David A. Croteau – widmen sich im Folgenden der systematisch-theologischen Argumentation des ‚Zehnten‘. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Aufforderung zum Zehnten-Geben nicht exegetisch, sondern nur aus theologischen Systemen bzw. Traditionen (eine Art Hermeneutik) begründet werden kann (:244).

Auch wenn also der Zehnte sich nicht begründen lässt, bedeutet das nicht, dass Geben im NT keine Rolle spielt. Das NT begründet das Geben, setzt aber für die Praxis des Gebens einen höheren (obgleich komplizierteren) Standard, als das simple Geben des Zehnten.

„As will be seen, the NT provides more than sufficient guidance for giving. In fact, it sets a considerably higher (albeit more complex) standard than merely giving ten percent of one’s income.“ (:245)

Exkurs: Paulus und der Zehnte

Auch wenn Paulus und Jesus nicht den Zehnten erwähnen, kommen sie oft auf das Geben und die ‚Haushalterschaft‘ (stewardship) zu spechen (:245). Das Geben thematisiert Paulus im Wesentlichen in 1.Kor 9,1-23; 16,1-4; 2.Kor 8-9; Phil 4,15-17. Jedoch wird von ihm in diesen Stellen der Zehnte selbst nicht erwähnt (:252).

Neutestamentliche Prinzipien zum Geben

1Kor 9,1-23: Paulus argumentiert, dass Verkündiger das Recht haben, finanzielle Unterstützung für ihre Tätigkeit zu erhalten (1Kor 9,14; in einer Ausnahmesituation haben er und Barnabas auf dieses Recht verzichtet). Prinzip: Eine Gemeinde sollte sicherstellen, dass diejenigen, die in Verantwortung für sie stehen, unterstützt werden und in ihren (finanziellen) Nöten aufgefangen werden. Dies sollte man beim Geben berücksichtigen.

1Kor 16,1-4 und die daraus folgenden Prinzipien: (a) Das Geben sollte regelmäßig geschehen. Paulus fordert die Christen auf, am ersten Tag der Woche (1Kor 16,2; Sonntag) etwas für die Sache des Herrn vom Gesamteinkommen abzuzweigen (Möglicher Hintergrund: Es ist einfacher, kleinere Beträge abzuzweigen. Und zudem hat die Gemeinde regelmäßig auftretende Nöte) (:254). (b) Es sollte dem eigenen Einkommen ein angemessener Betrag sein, „so viel möglich ist“ (1Kor 16,2). Nach Paulus sollte derjenige, der wohlhabend ist, auch einen beträchtlichen Teil geben. Wer wenig aufzuweisen hat, bei dem ist auch eine kleinere Gabe akzeptabel (:254).

2Kor 8-9: Paulus lobt die Mazedonier, die gemäß ihren Möglichkeiten und freiwillig gegeben haben (2Kor 8,1-4). Ja, sie haben teils sogar über ihre Möglichkeiten gegeben. Denn obwohl sie arm sind, haben sie doch reichlich gegeben (2Kor 8,2). Ihre Freude beim Geben, ihre Großzügigkeit, ihr freiwilliges Engagement dabei (ohne nötigem vielem Zureden) werden von Paulus gewürdigt (:255). Sie haben sogar selbst um die Möglichkeit der Teilhabe beim Geben eindringlich bei Paulus gebeten (2Kor 8,4). Prinzip:

„Christians should be alert to find opportunities where they can use the resources God has given them“ (:255; Übertragung von mir: „Christen sollten aufmerksam nach Möglichkeiten Ausschau halten, wo sie gemäß den Ressourcen, die sie von Gott erhalten, geben sollten“).

Es ist zutiefst CHRISTlich, aus Liebe, großzügig und frewillig zu geben (2Kor 8,8-9). Nach 2Kor 8,12-14 sollte es in einer christlichen Gemeinde auch eine Art Ausgleich an Nöten geben (:255). Und gemäß 2Kor 9,6 ist das Prinzip, dass dem freiwilligen und großzügigem Geben die Motivation folgt, dass Gott den Geber weiterhin materiell segnen wird, damit er in seinem Geben nicht nachzulassen braucht (Wer säht, wird entsprechendes ernten; :256):

„This does not mean that we should give so we can get more for ourselves but that one motivation for giving is that God will bless us so we can continue to be generous“).

Und schließlich erwartet 2Kor 9,7 eine ‚heitere/fröhliche Art‘ beim Geben, was nur durch die Erkenntnis der Gnade Gottes an mir sich auf mein Geben überträgt (:256).

Phil 4,15-20 und Prinzipien: (2) Wenn Christen eine Not erkennen – insbesondere bei denen in der Verkündigung – sollten sie nach ihren Möglichkeiten diese Not zu lindern suchen (:257). (b) Die Gabe der Philippiner ist ein Beispiel für ihr freiwilliges Geben. Sie haben das gegeben, was sie sich in ihrem Herzen vorgenommen haben. (c) Die Philipper haben großzügig gegeben (Phil 4,8).

Zusammenfassung der Prinzipien

(1) Systematisch – Gib regelmäßig, wöchentlich, 14tägig, monatlich usw. (1Kor 16,1)

(2) Proportional – Gib entsprechend deinem Wohlstand und entsprechend deinen Möglichkeiten (1Kor 16,2; 2Kor 8,2-3)

(3) Opferbereit und Großzügig – Gib großzügig. Sei bereit zu einem ‚Opfer‘, aber nicht so, dass du dich selbst allzu sehr verschuldest bzw. auf Unterstützung angewiesen bist (2Kor 8,2-3; Phil 4,17-18)

(4) Mit Absicht – Gib frewillig um eine Not zu mildern, nicht aus Schuld oder auf Druck hin (2Kor 8,4; Phil 4,16)

(5) Motivation – Unsere Motivation fürs Geben sollte Liebe für andere, ein Wunsch nach Gegenseitigkeit sein, mit einem Augenmerk auf die Belohnung, die dadurch von Gott kommt

(6) Liebe – Wie Jesus für die Sünde anderer starb, sollten Glaubende aus Liebe anderen geben (2Kor 8,9)

(7) Gleichberechtigung – Glaubende geben, damit alle Nöte gelindert werden. Bevorzugung wird vermieden (1Kor 9,14-15; 2Kor 8,12-14; vgl. Gal 6,6)

(8) Segen – Gib so und erwarte den Segen von Gott, so dass du mit dem Geben für andere fortschreiten kannst (2Kor 9,6)

(9) Heiter und fröhlich – Gott liebt einen heiteren/fröhlichen Geber (2Kor 9,7)

(10) Freiwillig – Das Geben sollte dem eigenen Willen entspringen und freiwillig sein (2Kor 8,2-3.8; 9,7; Phil 4,18)

Dies ist eine Zusammenfassung des Artikels von Andreas J. Köstenberger & Croteau, David A. 2006. Reconstructing a Biblical Model for Giving: A Discussion of Relevant Systematic Issues and New Testament Principles. BBR 16(2), 237–260.

Kommentar verfassen