Dallas Willard, Knowing Christ today – Zusammenfassung

Willard, D. 2009. Knowing Christ today: Why we can trust spiritual knowledge, New York.

EINLEITUNG

Christen sind heute mit einem Dilemma des Wissens/ Erkenntnis (knowledge) konfrontiert. Es gibt einen Graben zwischen dem Wissen im Allgemeinen und dem Wissen innerhalb des christlichen Weltbildes. Dieser Umstand führt zu einer Destabilisierung des Glaubens und der Ethik. Die Isolation des Glaubens vom Wissen ist ein Hauptgrund für den schmerzvollen Unterschied zwischen dem, was Menschen bekennen und wie sie handeln.

These: Der Glaube kann nicht verlässlich die Lebensführung bestimmen, außer es existiert eine sachgemäße Verbindung zwischen dem Wissen, welches Wahrheit und Evidenz impliziert (:3). Also ist zu fragen: Ist es überhaupt möglich, die „Dinge“ zu wissen, die man als Christ glaubt? Bis zu welchem Grad? Führt der christliche Glaube dich nicht automatisch in ein intellektuelles Elend?

These: Die Beziehung zwischen Religion und Wissen wurde stark missverstanden und und verzerrt in den letzten zwei Jahrhunderten (:3).

These: Die Verantwortlichkeit gegenüber der Logik und Wahrheit ist langsam verschwunden in unserer akademischen und intellektuellen Welt im letzten Jahrhundert (:5). Z. B. ist das Unterrichten allgemeiner Logik nicht länger Teil universitärer Curricula, wie es vor 60 Jahren noch der Fall war. Also haben wir jede Menge ungebildeter Menschen mit hohen akademischen Graden.

These: Ein Leben, das sich einer wahren Nachfolge von Jesus Christus verpflichtet, setzt ein abgesichertes Wissen über das, wie die Dinge sind, wie die Realität ist und wie zu leben ist, voraus (:7).

Das Buch möchte die unverzichtbare Rolle des Wissens für Glauben (Theologie) und Leben (Ethik) darstellen und zeigen, dass es kohärentes Wissen innerhalb des christlichen Weltbildes gibt (:7). Jede Religion beansprucht für sich ein Wissen über die Dinge, wie sie sind. Alle Religionsstifter – im Gegensatz zu heutigen religiösen Vertretern – haben mit dieser Haltung der Überzeugung argumentiert (:8). Christen sollten zur Einsicht kommen, dass Wissen ein Freund, nicht der Feind, des Glaubens ist (:10).

Kap. 1: KANN DER GLAUBE JEMALS WISSEN SEIN?

Ist es möglich – beispielsweise das Apostolische Glaubensbekenntnis – nicht nur zu glauben, sondern auch darüber zu wissen? Definition: Wir haben Wissen von etwas, wenn wir es repräsentieren (wir denken, sprechen, verarbeiten es) wie es wirklich ist und das auf einer angemessenen Basis des Denkens und der Erfahrung (:15). Eine solche Denke baut auf Wahrheit, nicht auf Zufall bzw. Glück. So erwarten wir von Menschen in der Arbeitswelt, dass sie wissen, was sie konkret tun. Im Kontrast hat Glaube nicht notwendigerweise mit Wahrheit, guten Methoden oder Evidenz zu tun. In seiner ursprünglichen Gestalt impliziert der Glaube Tendenzen des Handelns und ist damit auf den Willen angewiesen (:16). Was ist aber dann Commitment (Verpflichtung)? Commitment ist noch viel weniger auf Glauben und noch weniger auf Wissen angewiesen. Es ist schlichtweg eine Wahl einer bestimmten Art von Handlung (:16). In noch weiterer Entfernung zum Wissen steht die Erklärung bzw. das Bekenntnis (profession). Manche Menschen erklären sich etwas zu glauben, wozu sie sich gar nicht verpflichtet fühlen (:17). Das „Bekenntnis“ spielt jedoch eine immense Rolle in Bezug auf die Praxis einer Religion.

Diese Unterscheidung in den Begriffen verdeutlicht, wie wichtig Wissen ist. Wissen, nicht bloß Glauben bzw. Bekenntnis, verleiht dem Betreffenden eine Autorität oder das Recht – ja sogar eine Verantwortung – zu handeln, Handlungen zu bestimmen, zu entwickeln und zu beaufsichtigen, ja sogar zu lehren (:17). Allein durch Wissen – nicht Glauben, Verpflichtung, Emotionen, Traditionen usw. – führt zu dieser Art von Autorität. Zudem neigen wir dem Leiter zu glauben, von dem mir meinen, dass er Wissen habe.

These: Glaube und Wissen sind in ihrer Art verschieden und beziehen sich auf unterschiedliche Rollen im Leben (:18). Der Glaube verschwindet nicht notwendigerweise, wenn Wissen dazu kommt. Leider wird selten erkannt, dass wir manchmal nicht glauben, was wir eigentlich wissen (z. B. Lotto spielen). Daher ist dieses Spielen moralisch falsch, weil rationelle und verantwortungsbewusste Menschen nicht spielen – Das ist ein Beispiel dafür, dass Rationalität eine Tugend ist (:19). Bezogen auf Wissen und christlichen Glauben: Es ist erstrebenswert, unsere Glaubensaussagen wann immer möglich auf Wissen zu stützen, denn Wissen stabilisiert. Idealerweise ist Wissen die Basis für Glauben, und zwar die beste Basis (:19).

These: Die Religion hat sich schon immer als auf das Wissen stützend präsentiert (:19). Ein Akt des Glaubens in der biblischen Tradition wird immer im Kontext von Wissen vollzogen und ist nicht ablösbar davon (:20). Daher ist der „blinde Sprung“ – was heute als „Sprung des Glaubens“ verstanden wird – inkompatibel mit einem ernsthaften Glauben, wie ihn die Bibel und die christliche Tradition verstanden hat (:20). Nur wegen des Paradigmas des „blinden Sprungs“ kann heute behauptet werden – „alle Religionen seien gleich“. Gemeint ist, alle Religionen sind frei von Wissen und Wahrheit (:21). Auch der bedeutende Philosoph Alvin Plantinga postuliert, dass Wissen ein elementarer Bestandteil des christlichen Glaubens ist (ebenfalls das belegt es das NT).

These: In der westlichen Welt hat der Kampf zwischen traditionellem Wissen (repräsentiert durch die Kirche) und dem modernen Wissen (repräsentiert durch die Wissenschaft) dazu geführt, dass Religion bloß als Glaube bzw. Verpflichtung (commitment) verstanden wird (:23). Diese Entwicklung kam daher zustande, weil die kirchliche Traditionen einen bedeutenden Teil von Thesen als Wissen proklamierte, was sich im Nachhinein als Nicht-Wissen erwiesen hat. Das führte zu einem Vorurteil bzw. einer kritischen Stimmung (mood) gegenüber allem Wissen der Kirche.

These: Zudem haben die Kirchen/die Theologien diesen Umstand nicht nur akzeptiert, sondern haben diese Entwicklung selbst begünstigt, z. B. innerhalb der liberalen Theologie (:24). Bedeutende Philosophen (Spinoza, Hume, Kant, Schleiermacher, Lessing) trennten Religion und Moral von der Welt der Fakten und des Wissens. Religion wurde politisch (political), d. h. sie bedarf nicht des Wissens, sondern der Fürsprache/des Eintretens (advocacy). „Its only issue is how to ‚win‘ for ‚your side'“ (:25). Selbiges geschah auch in konservativen theologischen Zirkeln: Hier wurde Wissen als „Werke“ klassifiziert, als ein Ergebnis menschlichen Handelns und damit ein Gegensatz zu dem wunderlichen Werk der Gnade. In der Zuspitzung wurde dann geprägt, das Wissen zum säkularen Bereich gehört und wenn du etwas weißt, kannst du keinen Glauben in diese Sache haben (:25).

These: Im Zuge der Toleranz-Diskurses wurde dann der Umstand problematisiert, dass Menschen von ihrer Religion, die sie für wahr halten, zu einer so bestimmten Überzeugung kommen, dass sie intolerant werden und – mit Macht ausgestattet – auch gefährlich für die Gesellschaft werden (:26). Die Lösung dieses Toleranz-Problems ist dann, alles Wissen als provisorisch und begrenzt, welches in der Realität nicht geprüft werden kann (:27). Antwort: Toleranz bzw. Intoleranz ist eine Haltung, die nicht mit überzeugtem/sicheren Wissen zusammenhängt. „Tolerance is not the lack of something [z. B. Wissen], but the expression of a positive vision of what is good and right, a vision taken to be solidly grounded in knowledge of how things really are“ (:29).

These: Wissen allein ist niemals genug/ausreichend für das menschliche Dasein (:33).

Kap. 2: Wie genau gehen wir aufgrund des Mangels an Wissen zugrunde?

 

 

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