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Grams 2008 – Bible and Mission

Studien über den Zusammenhang zwischen Theologie und Mission haben in den letzten Jahrzehnten Hochkonjunktur (Vgl. z. B. Christoph Stenschke, „Das Neue Testament als Dokumentensammlung urchristlicher Mission: Alter Hut oder neue Perspektive?“ in Jahrbuch für Evangelikale Theologie, 2005, 19. Jg., S. 167-90).

Der vorliegende Sammelband (Rollin G. Grams, I. Howard Marshall, Peter F. Penner u. Robin Routledge (Hg.), 2008. Bible and Mission: A Conversation Between Biblical Studies and Missiology. Schwarzenfeld: Neufeld) folgt diesem Trend. Bekannte Neutestamentler/ Alttestamentler und Missiologen untersuchen den missionarischen Charakter der Heiligen Schrift bzw. einzelner Texte. J. A. Kirk interessieren in seinem Artikel vor allem hermeneutische Gesichtspunkte, während D. W. Shenk das Selbstverständnis des Koran und der Bibel darstellt und ihre Auswirkungen auf die Missionspraxis verdeutlicht. Jeder der zehn Artikel steht für sich. Bei der Auswahl der Themen – so mein Eindruck – sind die Herausgeber nicht „einem bestimmten System“ gefolgt. Deshalb hier die Gliederungsübersicht:

Artikel Autor
Mission and Covenant in the Old Testament Robin Routledge
Some Geographical and Intertextual Dimensions of Matthew’s Mission Theology Rollin G. Grams
The Use of the Book of Acts in Mission Theology and Praxis Peter F. Penner
Paul’s Mission According to Romans I. Howard Marshall
Reconciliation as a Missiological Category for Social Engagement: A Pauline Perspective from Romans 12:1-21 Corneliu Constantineanu
The Personification of Righteousness within a Metaphoric and Narratorial Setting: A Perspective on the Content of Pau’s Proclamation of the Gospel David Southall
The Status and Calling of Strangers and Exiles: Mission According to First Peter Christoph Stenschke
Missions, Judgment of God, and the Centrality of Scripture – A Response to David Macdonald Paton from 2 Peter Scott Hafemann
How a Missiologist Utilizies the Bible J. Andrew Kirk
The Bible, the Qur’an and Mission David W. Shenk

Der Sammelband gibt interessante Impulse und regt dazu an, den eingeschlagenen Pfad – die Untersuchung der Bibel als missionarisches Dokument – weiterzufolgen (vgl. u. a. S. 87, 180). Im Einzelnen wird auch deutlich, dass eine solche Fragestellung dann „Erfolg“ hat, wenn einzelne Bücher der Bibel in ihrem Zusammenhang gelesen und interpretiert werden. Veranschaulichen lässt sich das gut an R. G. Grams Artikel zum Matthäusevangelium: Während in der gemeindlichen Praxis häufig nur der sog. Missionsbefehl (Mt 28,18-20) zitiert, gekannt und ausgelegt wird, untersucht Grams die theologische Bedeutung der geographischen Bezeichnungen im Evangelium (Bethlehem, Ägypten, Nazareth etc., S. 43ff) und kann nachweisen, wie bedeutend missionarische Motive das gesamte Evangelium durchdringen. Positiv ist ebenfalls, dass manchmal etwas vernachlässigte Texte – wie z. B. die Petrusbriefe – in diesem Sammelband Beachtung finden. Von großem Wert sind die ausführlichen Sach- und Stellenregister, die das Nachschlagen ausgewählter Themenkonzepte auch möglich machen. Alles in allem eine empfehlenswerte Lektüre, die auch noch umfangreicher sein dürfte (z. B. noch ausführlichere Beachtung des AT, Untersuchung weiterer ntl. Textcorpora).

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