Rezension – Israeli-Palestinian Conflict 2008

Dieses Buch (Brown, Wesley H. and Peter F. Penner, 2008. Christian Perspectives on the Israeli-Palestinian Conflict. Schwarzenfeld: Neufeld. 238 S. ) ist spannender als ein Krimi. Elf bedeutende christliche LeiterInnen unterschiedlicher Nationalität, Prägung und Erfahrung schildern ihre Sicht über den 60 Jahre andauernden Konflikt zwischen den Juden und den Palästinensern. Die meisten der AutorInnen haben die Situation „vor Ort“ erlebt und entsprechend sind die Artikel engagiert, emotional und ergreifend geschrieben. Der Sammelband geht auf eine Konferenz zurück, die im November 2006 am Internationalen Baptistischen Theologischen Seminar (IBTS) in Prag stattfand und mit der sogenannten „Prager Erklärung“ endete. Hier die Inhaltsübersicht des Sammelbands, wobei ich die englischen Titel ins Deutsche übersetzt habe.

Artikel AutorIn
Geschichtlicher Überblick über den israelisch-palästinensischen Konflikt und christliche Antwortversuche Wesley H BrownDozent am IBTS (Prag)
Messianisch-jüdische Sicht über die Gründung und den Fortbestand des Staates Israels aus der Perpektive der Heiligen Schrift Lisa LodenDozentin an der theologischen Fakultät am Nazareth Center
„Ihre Theologie – unser Albtraum“ Mubarak AwadPsychologe, in Nahost als ‚arabischer Gandhi‘ bezeichnet
Die politische Lebenswirklichkeit in Israel und mögliche Wege zur Versöhnung David FriedmanProfessor für jüdische Studien (Israel)
Palästinensisch-christliche Äußerungen auf den Konflikt Yohanna KatanachoEvangelikale Palästinenserin, Dozentin am Bethlehem Bibel-Seminar
Eine biblische Theologie über Israel und die jüngere Geschichte des Nahost-Konfliktes Ron E DiproseAkademischer Dekan am Instituto Biblico Evangelico Italiano (Rom)
Wie sollten wir die Schrift in Bezug auf das ‚Land‘ und Eschatologie interpretieren? Jüdische und arabische Perspektiven Philip Saa’dPastor einer arabischen Baptistengemeinde (Haifa)
Die Lehre von der Erwählung, der Staat Israel und die Endzeit David Friedman
Westlicher Restorationismus? Und christlicher Zionismus: Deutschland als Fallbeispiel Wilrens L. HornstraDozent bei Jugend mit einer Mission (Deutschland)
Versöhnung zwischen Frauen in Israel und Palästina Lisa Loden
Christus ist unsere Hoffnung Azar AjajMitarbeiter der Bibelgesellschaft (Israel) und Dozent am Bethlehem Bibel-Seminar
Zeugnis-Sein für religiöse Juden und palästinensische Moslems: Pespektiven aus der Apostelgeschichte Peter F PennerDozent am IBTS (Prag)
Jesus und die sog. Just Peacemaking Theory Glen H StassenAutor, Professor am Fuller Theological Seminary (Pasadena)

Für die einen ist die Gründung des Staates Israel ein Teil der Erfüllung einer biblischer Prophetie, für die anderen die „große Katastrophe“ (:17, 28).[1] Trotz einer Vielfalt von Meinungen und Schattierungen haben messianische Juden einen gemeinsamen Nenner: sie führren die Gründung und das Bestehen des Staates Israel auf Gottes Eingreifen in der Geschichte zurück (:43, 53). Dabei interpretieren sie den Begriff „Israel“ in der Bibel als „ethnisches Israel“ (:45).

D. Friedman stellt fest, dass in den Konflikt drei Parteien verwickelt sind: die jüdische Welt, die christliche Kirche und die arabische Welt (:70). Die Kirche trägt eine Mitschuld, so das ein Schritt zur Versöhnung in ihrer Buße gegenüber den israelischen und arabischen Menschen ist (:76). Auch jegliche Art eines christlichen Zionismus – so M. Awad – ist zu verurteilen (:58ff). Traurigerweise ist „für viele christliche Zionisten die Lehre von den letzten Dingen wichtiger als die biblische Lehre über Frieden und Gerechtigkeit“ (:60). Problematisch wird nach W. L. Hornstra der christliche Zionismus, „weil er sich mehr Israel-orientiert als Christus-orientiert offenbart. Israel wird dabei zu einem Schlüssel für das Verstehen der Welt“ (:133).

Aufgrund einer unterschiedlichen Hermeneutik und Theologie existiert kaum Einheit zwischen palästinensischen Christen und messianischen Juden. Die Gemeinde in Europa ist herausgefordert, in konstruktiver Weise zur Versöhnung und Einheit beizutragen (Saa’d, 117). Andererseits wird der Konflikt erst lösbar sein, wenn die moslemische Welt Israel das Recht die Existenz als Staat zugesteht (Diprose, 103).

Der Sammelband löst den Konflikt nicht! Aber er ‚atmet‘ Hoffnung und fordert heraus. An vielen Stellen berichten die AutorInnen von aufrichtiger Versöhnung zwischen palästinensichen und jüdischen Geschwistern (:73, 84, 149ff, 158f). Und er fordert (den christlichen Leser) heraus, die eigene Theologie und Hermeneutik neu zu durchdenken, einer friedensstiftenden Gesinnung einen breiteren Raum zu geben und das Evangelium anderen so zu ‚übersetzen‘, das es erfolgreicher als bisher von religiösen Juden und arabischen Muslimen angenommen werden kann (:162).


[1] Messianische Juden, die an Jesus als ihren Messias glauben, haben meist die israelische Siedlungspolitik in der West Bank unterstützt, weil sie mit den religiösen Juden überzeugt sind, dass Gott den Juden das Land verheißen hat und dass sie im Prinzip nur ihr durch die Bibel unterstützendes Recht durchsetzen. Palästinensische Christen auf der anderen Seite teilen immer mehr den Zorn und die Frustration mit ihren muslimischen Nachbarn wegen der Leiderfahrungen und Diskreminierung (:23).


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