Zusammenfassung – Jesus und die Gewalt 1982

Ronald J. Sider stellt in seinem gleichnamigen Buch (1982) einige Prinzipien auf, die mir beim Nachdenken über Frieden, Gewaltfreiheit, Gewalt, Ungerechtigkeit und Krieg geholfen haben.

These 1: „Jesus wollte sein messianisches Reich als Leidender aufrichten, nicht mit dem Schwert“ (:19). Das Kreuz ist der deutlichste Ausdruck dieser „Leidensbereitschaft“, die Jesus nicht nur selbst gelebt, sondern auch gelehrt hat (vgl. Mt 5,38ff).

These 2: Die „quietistische“ (widerstandsloses, ergebendes Hinnehmen allen Geschehens) Widerstandslosigkeit steht entgegen dem Handeln Jesu. Er selber musste u. a. ans Kreuz, als „er begann, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Neuordnung in die Tat umzusetzen, die man für die Zeit erwartete, wenn der Messias das neue Zeitalter einleiten würde“ (:17). Es ist also auch möglich, gewisse „Formen der Macht einzusetzen und zugleich den anderen als einen freien, Gott verantwortlichen Menschen zu ermahnen, umzukehren und sein Leben zu ändern“ (:37, Bsp: Stafgesetz). Die Ausübung der Macht aber ist nur dann gerechtfertigt, „wenn die Liebe als die treibende Kraft dahintersteht“ (:37).

These 3: Ungerechte Wirtschaftsstrukturen zerstören Menschenleben. Das ist eine Form von Gewalt, die meist nicht mitbedacht wird (:56f). Sider spricht hier von „gesellschaftlich orientierter Gewalt“ (:58).

These 4: Es gibt einen Unterschied zwischen einer bewußten sündigen Tat, die der Einzelne tut, und „der Verflechtung in ungerechte Gesellschaftsstrukturen“ (:58). Letzteres wird unter Christen kaum bedacht. Siehe dagegen Amos 2,6f. Sider nennt 3 Beispiele des strukturbedingten Bösen. (1) Welthandel (Einfuhr von billigen Rohstoffen in die Industrieländer, Zollbestimmungen etc., :60f); (2) Verbrauch wiederverwendbarer Rohstoffe (:61); (3) Eßgewohnheiten (Industrieländer importieren mehr Nahrungsmittel, als das sie in die „armen Länder“ Nahrungsmittel exportieren, :62).

Sider gesteht ein, dass die Änderung des Einzelnen nicht das Problem aus der Welt schafft. Vielmehr geht es zu verstehen, dass unser Art zu Leben „mit verderblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen verknüpft“ sind (:63).

These 5: Antwort zu These 4.: Es gibt Hoffnung, die in der Umkehr liegt. a) im Persönlichen: einen einfachen Lebensstil wählen, d. h. eine Absage an den Materialismus und ein alternatives Modell des Spendens (:64f). b) in der Gemeinde: neue Formen von Gemeinschaft entwickeln und jegliche Anpassung an die Maßstäbe ungerechten Verhaltens meiden (:66). Konkret: Umbau von „großen“ Gemeinden in „Zellgemeinden“ (:67), Prinzipien des einfachen Lebensstils müssten sich im Gemeindeleben (z. B. Immobilien der Gemeinde) wiederspiegeln (:69). c) in der Gesellschaft (siehe 69ff).

These 6: „In der Auferweckung [Jesu] liegt der Schlüssel, der unseren Kampf für Gerechtigkeit und Frieden verbindet mit dem vollkommenen Frieden des neuen Jerusalems“ (:79). Aus der Kraft dieser Auferweckung gilt es zu leben (:80f).

Zum Schluss noch ein aufrüttelndes Zitat: „Sonntag für Sonntag versammeln sich wohlhabende Christen in den reichsten Ländern dieser Erde, um den Gott der Armen anzubeten“ (:75). Ob und wie reich du bist, kannst du hier sehen: Global Rich List.

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