Storys

Bonhoeffer über „Lust, Genuss und das Gute“

Zufällig bin ich auf einen interessanten Briefauszug von Dietrich Bonhoeffer gestoßen, wo er inmitten großer „psychischer“ Belastung (S. 91) einiges über den rechten Umgang mit dem Guten, das Gott uns gibt, schreibt:

… Ich glaube, wir sollen Gott in unserem Leben und in dem, was er uns an Gutem gibt, so lieben und solches Vertrauen zu ihm fassen, daß wir, wenn die Zeit kommt und da ist – aber wirklich erst dann! – auch mit Liebe, Vertrauen und Freude zu ihm gehen. Aber  – um es deutlich zu sagen – daß ein Mensch in den Armen seiner Frau sich nach dem Jenseits sehnen soll, das ist , milde gesagt, eine Geschmacklosigkeit und jedenfalls nicht Gottes Wille. Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wenn es Gott gefällt, uns ein überwältigende irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen und durch eine wildgewordene religiöse Phantasie, die an dem, was Gott gibt, nie genug haben kann, wurmstichig werden lassen. Gott wird es dem, der ihn in seinem irdischen Glück findet und ihm dankt, schon nicht an Stunden fehlen lassen, in denen er daran erinnert wird, dass das Irdische nur etwas Vorläufiges ist und dass es gut ist, sein Herz an die Ewigkeit zu gewöhnen … Aber das alles hat seine Zeit und die Hauptsache ist, dass man mit Gott Schritt hält und nicht immer schon einige Schritte vorauseilt, allerdings auch keinen Schritt hinter ihm zurückbleibt. … (aus: „Briefe an einen Freund“ aus Tegel vom 18.12.1943, in: Widerstand und Ergebung, 1971, S. 93f).

Das Zitat ist eingebettet in Ausführungen, in denen Bonhoeffer Ratschläge an seinen Freund über die Sehnsucht und das Heimweh gibt.

Der entscheidende Punkt hier ist, dass das Gute nach Bonhoeffer keineswegs „atheistisch“ zu genießen ist, wozu der Hedonismus aus sich heraus neigt. Auch im Guten bleibt die Verbundenheit mit Gott und die Freude an IHM bestehen.

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