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Antike Reiseverhältnisse

Die Kenntnis antiker Reiseverhältnisse ist unentbehrlich, um geographische und zeitliche Angaben in den Paulusbriefen richtig einzuordnen. Hier nenne ich einige Anhaltspunkte:

(1) Das Überwintern: „Nach Vegetius (4. Jh. n. Chr.) war die Schiffahrt vom 11. November bis zum 10. März allgemein geschlossen (…). Darüber hinaus galten die Zeiten vom 10. März bis 27. Mai und vom 14. September bis 11. November als gefährlich für Seereisen“ (Riesner 1994:274f). Aber nicht nur die Winterstürme, sondern ein bedeckter Himmel und längere Nächte machten die Navigation schwierig „und erhöhten die Gefahr, auf Klippen und Untiefen aufzulaufen“ (:275). Es gibt aber auch Ausnahmen: Apg 27,12; 28,11.

Und auch Landreisen wurden zwischen Mitte November bis Mitte März gemieden, so dass Paulus oft an einem Ort überwintern musste (Riesner 1994:275; vgl. 1Kor 16,6; Tit 3,12).

(2) Die Überlandreisen: Das römische Straßennetz umfasste insgesamt ca. 90.000 km an Hauptstraßen, die eine ausgezeichnete Qualität aufwiesen (Schnabel 2002:618). Die allgemeine Form der Reise über Land war die Fortbewegung zu Fuß (1991:82f). Insofern ist im Allgemeinen mit 20 bis 30 km pro Tag zu rechnen.

(3) Die Schiffsreisen: „Mit großer Vorsicht bei günstigen Witterungsbedingungen [ist] eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 180 bis 270km pro Tag“ anzunehmen (:280). „Unter widrigen Umständen konnte eine Reise von Alexandrien nach Rom 45 Tage und von Ephesus in die Reichshauptstadt ganze zwei Monate dauern“ (:281).

Quellen:
Riesner, R., 1994. Frühzeit des Apostel Paulus: Studien zur Chronologie, Missionsstrategie und Theologie.
Schnabel, E. J., 2002. Urchrichtliche Mission.

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